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Germanwings-Absturz : „Ihr fehlt uns“

vom
Aus der Onlineredaktion

Gedenken an die Germanwings-Opfer in Haltern. Vater des Copiloten auf der „Suche nach der Wahrheit“

Auf den fünf Gräbern der getöteten Jugendlichen in Haltern stehen frische Frühlingsblumen. „Manchmal glauben wir, dass du da bist, dich mit uns freust, wenn wir zusammen sind“ ist in einem steinernen Buch zu lesen. „Du fehlst uns“ hat jemand mit Silberschrift auf einen herzförmigen Kiesel geschrieben. Auf einem Grablicht steht: „Zwei Jahre voller Sehnsucht nach deinen strahlenden Augen, nach deinem fröhlichen Lachen, einfach nach dir – wir vermissen dich.“ Mama und Papa haben es aufgestellt. Im westfälischen Haltern ist der Schmerz über den Verlust von 16 jungen Menschen und zwei Lehrerinnen auch zwei Jahre nach dem Absturz der Germanwings-Maschine unsagbar groß.

Gedenkfeier auf dem Schulhof des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern gestern. Hier gingen die 18 zur Schule. Von einem Austausch mit einer spanischen Schule vor zwei Jahren kehrten sie nicht lebendig zurück. Jetzt sind ihre Namen in eine Stahlplatte geschnitten, zentrales Element der Gedenkstätte an der Schule. Viele Kerzen und Blumen, die Landesregierung hat ein Gesteck geschickt. Alle 1200 Schüler der Schule sind gekommen, dazu Lehrer und viele Bürger. Auch die Eltern von vier Opfern und andere Angehörige wie etwa Großeltern nehmen teil. „Ihr fehlt uns“, sagt Schulleiter Ulrich Wessel.

Am Ende legen viele Schüler und Erwachsene weiße Rosen vor den Namen ab. „Wir haben sie nicht vergessen und wir werden sie nicht vergessen“, sagt Wessel. Seit dem Absturz besorgt er jede Woche 18 weiße Rosen und stellt sie an einem weiteren Gedenkort in der Schule auf.

Fast zeitgleich tritt der Vater des Copiloten Andreas Lubitz, der den Germanwings-Airbus laut dem Bericht der französischen Untersuchungsbehörde BEA absichtlich gegen ein Felsmassiv gelenkt und 149 Passagiere und Besatzungsmitglieder mit in den Tod gerissen hatte, vor die Presse. Günter Lubitz erklärt, alle Ermittlungsbehörden hätten sich „auf einen an Depressionen erkrankten Menschen konzentriert und andere Aspekte vernachlässigt“. Es sei nicht erwiesen, dass sein Sohn den Jet absichtlich ins Felsmassiv gelenkt habe. „Wir sind auf der Suche nach der Wahrheit.“

Diese Aussagen ausgerechnet am zweiten Jahrestag der Katastrophe wurden von Opfer-Vertretern als „Affront“ und „geschmacklos“ bezeichnet. Die kritisierten Ermittler im In- und Ausland weisen die Vorwürfe vehement zurück – ebenso die Pilotenvereinigung Cockpit. Auch die Bundesregierung erklärt, sie habe keine Zweifel an den bisherigen Ermittlungsergebnissen.

Flugunfallexperte Tim van Beveren hat sich im Auftrag der Familie Lubitz mit dem Unglück in den französischen Alpen befasst. Er zählt gestern eine Reihe von Details auf, mit denen er Vorgehen und Rückschlüsse der offiziellen Ermittler infrage zieht: „Man kann nicht einfach so sagen: ,Andreas Lubitz ist schuldig.’“

„Wir müssen damit leben, dass er in den Medien als depressiver Massenmörder dargestellt wurde und noch wird“, sagt Günter Lubitz. Doch betont er: „Unser Sohn war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv.“ Dies hatten die Ermittler in ihrem Abschlussbericht zum Unglück aber auch nicht behauptet. Allerdings waren sie von psychischen Problemen des 27-Jährigen ausgegangen.

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