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IHK-Jahresempfang: Heimat als Imagefaktor

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Mit dem Gedanken an die Heimat in die Welt der Globalisierung: Westmecklenburgs Wirtschaft stellt sich dem mit Schnelligkeit, Offenheit, Flexibilität, Leistung aber auch Verzicht. Beim gestrigen IHK-Jahresempfang in Schwerin forderten Unternehmer und Politiker, die Chancen internationaler Märkte noch stärker zu nutzen.

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erstellt am 17.Jan.2008 | 04:21 Uhr

Das macht Hoffnung: So viel Zuversicht hat es in den Unternehmerreihen Westmecklenburgs lange nicht gegeben - Zuversicht darüber, dass der Schwung des vergangenen Jahres mit Zuwachsraten im bundesweiten Spitzenfeld auch 2008 das Land weiter voranbringt, Zuversicht darüber, dass nach dem bisher besten Jahr im Exportgeschäft auch 2008 die Auslandsmärkte brummen, Zuversicht darüber, dass der Aufschwung auch auf dem Arbeitsmarkt für Bewegung sorgt. "Mecklenburg-Vorpommern hat 2007 den Imagewandel geschafft", erklärte Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD).


Wettbewerb statt Abschottung
Inzwischen sei das Heimatgefühl der Menschen zu einem Imagefaktor geworden. Das zieht an: Mittlerweile gilt einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge MV bei Westdeutschen, die beruflich in den Osten wechseln würden, als attraktivste Region der neuen Bundesländer. "Gelungene Großereignisse wie der G8- Gipfel oder das Fest zum Tag der deutschen Einheit in Schwerin tragen dazu bei, Mecklenburg-Vorpommern für Besucher und Unternehmer bekannter und interessanter zu machen -und uns stolz auf unsere Heimat", meinte der Regierungschef. MV eine "Heimat im Spannungsfeld von Globalisierung und Europäisierung" - das Thema des Kammertreffens mit mehreren hundert Unternehmern und Politikern.

Der Globalisierung dürfe nicht mit Abschottung und Protektionismus begegnet werden. Sie müsse mit Innovationen, Investitionen und Qualifikation gemeistert werden, "also durch Anstrengung im Wettbewerb", forderte IHK-Präsident Jörgen Thiele in der von SVZ-Chefredakteur Thomas Schunck moderierten Podiumsdiskussion. "Doch ein aktiver Bezug zur Heimat kann uns helfen, in der raueren Welt der Globalisierung zurecht zu kommen, uns selbst Orientierung zu geben, die sonst verloren geht", meinte der Kammerchef.

Partnersuche im Export
Thiele rief die "kleinteilige Wirtschaft" des Landes dazu auf, sich zusammenzutun und Partner zu suchen, um auch auf den Märkten Asiens bestehen zu können. MV könne nicht "in unserem gemütlichen Deutschen Wald verharren, bis uns Efeu um die Füße wuchert. Die Globalisierung fordert von uns Schnelligkeit, Offenheit, Flexibilität, Leistung und auch Verzicht", verlangte er von Politik und Unternehmerschaft.

Der frühere israelische Botschafter Avi Primor schilderte den Wandel seines Landes vom Orangen-Exporteur zum Hochtechnologieland. In Israel fördere die Armee das Studium junger Leute, wie er am Beispiel seines 18 Jahre alten Sohnes erläuterte. "Ich will Deutschland nicht empfehlen, eine große Armee zu unterhalten und große Kriege zu führen, aber der Staat muss Jugendliche so lotsen, dass sie in die Hochtechnologie gehen", beschrieb Primor das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs Israels. Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer erinnerte an den Missbrauch des Begriffs Heimat vor allem in der Nazizeit. Derzeit sei der Nationalismus in Deutschland aber nicht reaktivierbar.

Zumindest aber rechte Tendenzen: So sorgte die Einladung des Fraktionschef des NPD im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, zum IHK-Empfang für Verwunderung. Einige Gäste verließen das Wirtschaftstreffen, nachdem die IHK Pastörs eingeladen und in der ersten Reihe des Auditoriums plaziert hatte. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe meinte dazu: Ihm stehe es nicht an, die demokratischen Spielregeln zu verletzten. "Auch diese Partei ist in den Landtag gewählt", so Rothe.

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