MPU-Untersuchung : „Idiotentest“ auf Prüfstand

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann aus dem Kreis Pinneberg hat seinen Parlamentsgenossen und Wohnungsexperten  Sören Bartol nach Wedel eingeladen.
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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann aus dem Kreis Pinneberg hat seinen Parlamentsgenossen und Wohnungsexperten Sören Bartol nach Wedel eingeladen.

Große Koalition plant Reform der medizinisch-psychologischen Untersuchung für Verkehrssünder.

svz.de von
19. März 2014, 00:00 Uhr

Mehr als hunderttausend Autofahrer müssen jährlich zum so genannten „Idiotentest“, der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Zur Vorbereitung werden Seminare angeboten – doch deren Qualität und Nutzen werden immer wieder in Zweifel gezogen. Wegen schlechter Vorbereitung fällt so mancher Verkehrssünder am Ende bei der Untersuchung durch. Die Große Koalition will jetzt Konsequenzen ziehen und plant klare Standards für die Vorbereitungskurse.

„Wir müssen die Anforderungen an die MPU-Anbieter erhöhen, damit die Qualität stimmt und die Autofahrer nicht nur teuer bezahlen müssen“, so SPD-Fraktionsvize Sören Bartol gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine Arbeitsgruppe bereitet die Reform derzeit im Auftrag von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor. Bis Ende 2014 soll sie Eckpunkte für die geplante Überarbeitung der MPU vorlegen. Ein Bericht für den Verkehrsausschuss des Bundestages, der unserer Redaktion vorliegt, listet schon jetzt mögliche Handlungsempfehlungen auf. Die Experten wollen „Schwarze Schafe“ aussortieren und mehr Fachkompetenz von MPU-Beratern verlangen.

„Die gesetzliche Regelung hinsichtlich der Qualifikation der Beratenden sollte im Sinne einer amtlichen Anerkennung erfolgen“, heißt es in dem Ministeriumspapier. Mindestvoraussetzung müsse ein Hochschulstudium der Psychologie mit verkehrspsychologischer Zusatzqualifikation sein. Anforderungen für Ziele, Inhalte und Dokumentation sollten klar festgeschrieben werden.

Klare Standards, mehr Transparenz und Beschwerdemöglichkeiten – so die schwarz-roten Reformziele. Laut Ministeriumsbericht gibt es immer wieder Unstimmigkeiten bezüglich der im Gutachten für den Test wiedergegebenen Gesprächsinhalte. „Es fehlt den Teilnehmern von MPU-Seminaren häufig an Transparenz“, so SPD-Experte Bartol. Denkbar sei deshalb, dass es künftig „verbindlich vorgeschrieben“ Ton- und Videoaufzeichnungen des Seminars geben müsse. „Außerdem kann es sinnvoll sein, eine Obergutachterstelle oder Ombuds-Stelle zu schaffen, an die sich unzufriedene Teilnehmer von MPU-Seminaren wenden können.“

Wer zum MPU-Test verpflichtet wird, etwa nach Überschreiten der 18-Punkte-Schallgrenze im Flensburger Verkehrssünder-Register, verliert bei der Suche nach Seminaranbietern schnell den Überblick. Für Betroffene sei es schwierig, „aus der Fülle der Angebote seriöse und kompetente Informationen herauszufiltern und schon früh die richtigen Schritte auf dem Weg zur Neuerteilung“ der Fahrerlaubnis zu gehen, heißt es im Bericht des Verkehrsministeriums an die Experten der Fraktionen. Mehr als drei Viertel der verkehrsauffälligen Kraftfahrer, die zur MPU verpflichtet würden, seien „nicht rechtzeitig“ über die Bedingungen informiert, „die sie zum Erhalt eines positiven Gutachtens erfüllen müssen“. Schwarz-Rot will hier Abhilfe schaffen und Verkehrssünder bei ihrer Entscheidung für einen Seminaranbieter unterstützen: Denkbar sei eine im Internet zugängliche „Positivliste“ von „anerkannten MPU-Beratern“, heißt es in der Koalition.

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