Der Fall Uli Hoeneß : „Ich bin kein Sozialschmarotzer!“

hoeneß

Uli Hoeneß auf der Anklagebank: Er gibt sich reumütig, sogar demütig. Ja, er habe Steuern hinterzogen – und zwar deutlich mehr, als die Ankläger dachten: gigantische 18,5 Millionen Euro. Die Zahl ist ein Knaller, der selbst die Staatsanwaltschaft überrascht.

svz.de von
10. März 2014, 21:30 Uhr

Als Uli Hoeneß den Saal 134 im Münchner Justizpalast betritt, wird es ganz still. Bis auf das hektische Klicken der Kameras ist kaum etwas zu hören. Mit bedächtigen Schritten geht der Präsident des FC Bayern auf den Stuhl zu, auf dem er in den kommenden Tagen auf das Urteil in seinem Steuerprozess warten muss. Dann bleibt er stehen, hebt den Kopf und schaut direkt in die Kameras.

In der ersten Reihe verfolgt seine Frau Susi das Verfahren. Als der erste Verhandlungstag nach rund fünfeinhalb Stunden endet, verlässt das Ehepaar gemeinsam den Saal.

Die Anspannung ist Hoeneß anzumerken, auch wenn er ab und an noch versucht, sich ein Lächeln abzuringen. Steuerhinterziehung von insgesamt 3,5 Millionen Euro wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor – in sieben Fällen. Und das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Sein Anwalt Hanns W. Feigen spricht von „deutlich über 15 Millionen“, die Hoeneß darüber hinaus hinterzogen haben soll. Gigantische 18,5 Millionen Euro wären es dann insgesamt.

Ein „überschießendes Geständnis“ nennt das eine Gerichtssprecherin. Die Zahl ist ein Knaller, der selbst die Staatsanwaltschaft überrascht, die die entsprechenden Unterlagen erst vor rund einer Woche auf den Tisch bekam. Für Hoeneß könnte sich die Lage dadurch noch weiter zuspitzen.

Der Angeklagte, der im schwarzen Anzug mit weinroter Krawatte zu seiner Verhandlung gekommen ist, gibt sich vor allem eins: reumütig. „Hohes Gericht, die mir in der Anklage zur Last gelegten Steuerstraftaten habe ich begangen“, so leitet er sein Geständnis ein, das er von einem Blatt Papier abliest. „Mit anderen Worten: Ich habe Steuern hinterzogen.“ Mit seiner Selbstanzeige, die die Staatsanwaltschaft nicht anerkennen will, habe er reinen Tisch machen wollen, betont Hoeneß. „Mir ist klar, dass mir nur absolute Steuerehrlichkeit hilft.“

Auf die Frage von Richter Rupert Heindl, wann diese Erkenntnis ihn denn ereilt habe, antwortet er ausweichend. Ansonsten aber gibt sich Hoeneß in erster Linie als geläuterter Sünder. „Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst.“ Er werde alles dafür tun, „dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen werden kann“.

Mit dem Geld auf seinem geheimen Schweizer Konto habe er jahrelang „richtig gezockt“, sagt er. „Mit Summen, die für mich heute schwer nachvollziehbar sind.“ Jahrelang schob Hoeneß per Telefon bei seiner Bank Millionenbeträge hin und her. „Die Wahnsinns-Geschäfte waren in den Jahren 2002 bis 2006 – und dann hatte ich kein Geld mehr.“

Richter Heindl fühlt Hoeneß auf den Zahn und hakt immer wieder nach, wenn der 62-Jährige sagt, er habe gar nicht bis ins Detail von den millionenschweren Devisengeschäften gewusst, die von seinem Schweizer Konto aus abgewickelt wurden. Ein Lieblingssatz von Richter Heindl: „Man kann es glauben, man muss es aber nicht glauben.“

Doch Reue ist nicht das einzige Pfund, mit dem Hoeneß wuchern will. Schließlich war er bislang ein unbescholtener Bürger und sogar mehr als das – ein moralisches Vorbild für viele. „Ich bin kein Sozialschmarotzer!“, betont er dann auch und zeichnet noch einmal das Bild von sich, das eine lange Zeit sein öffentliches Image bestimmte. Er präsentiert sich als Wohltäter, der Millionen für soziale Zwecke gespendet habe.

Dass seine Selbstanzeige nicht gültig sein soll, habe ihn entsetzt, sagt Hoeneß. „Das hat mich total geschockt.“

Außerdem schildert er die Auswirkungen auf ihn und seine Familie, nachdem seine Selbstanzeige öffentlich geworden war, spricht von Drohbriefen und sogar Morddrohungen.

Voraussichtlich am Donnerstag will Heindl das Urteil verkünden. Dann entscheidet sich, ob der Präsident des FC Bayern sogar ins Gefängnis muss. Eine Haftstrafe ohne Bewährung drohte ihm schon, als es nur um 3,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern ging. Jetzt ist die Summe um ein Vielfaches höher.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen