Zuwanderung : Höhere Arbeitslosigkeit durch Migration

Regierung rechnet mit Anstieg, aber auch neuen Jobs. Wenigste Neuankömmlinge haben Fachkenntnisse

svz.de von
17. August 2016, 05:00 Uhr

Mit durchschnittlich 110 000 zusätzlichen Erwerbslosen rechnet die Bundesregierung im kommenden Jahr. Hauptgrund: Die „starke Migration“. Vergangenen Herbst setzte die deutsche Wirtschaft noch auf die vielen Neuankömmlinge als Antwort auf den Fachkräftemangel. Jetzt steht die Frage im Raum: Sind die vielen Flüchtlinge eine tickende Zeitbombe für den deutschen Arbeitsmarkt? Hintergründe von Tobias Schmidt:

Womit rechnet die Regierung?
Schon im Frühjahr prognostizierte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Anstieg der Arbeitsloszahlen durch die vielen Flüchtlinge. Nach der Berechnung des Bundesfinanzministeriums bestätigen sich die Befürchtungen. Im Juli waren 2,66 Millionen Menschen auf Jobsuche. In einem Jahr werden es 2,86 Millionen sein. Bis 2020 wird sich die Zahl der Erwerbslosen demnach sogar auf 3,1 Millionen Menschen erhöhen. Zugleich soll aber auch eine Million neuer Jobs geschaffen werden.

Warum gelingt es nicht, die Neuankömmlinge in Arbeit zu bringen?
Im vergangenen Herbst war die Euphorie groß: Die Flüchtlinge würden den hiesigen Fachkräftemangel lindern, Ärzte aus Syrien den Medizinernotstand abfedern. Dabei hatte die Wirtschaft übertriebene Erwartungen. „Jetzt wissen wir, dass die wenigsten Neuankömmlinge über die notwendigen Fachkenntnisse verfügen“, sagte der Zuwanderungsexperte Wido Geis vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gestern unserer Berliner Redaktion. „Auch der Spracherwerb dauert viel länger als erwartet, deswegen sind die Unternehmen heute viel kritischer.“ Vergangenen Monat waren bundesweit bei den Jobcentern 131 000 „arbeitslose Geflüchtete“ registriert.

Was ist erreicht worden?
Tatsächlich haben die großen Unternehmen bislang nur eine Handvoll Flüchtlinge eingestellt. Den Vorwurf der Politik, die deutsche Wirtschaft tue zu wenig, weist der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, zurück: Vor allem viele kleine und mittelständische Betriebe engagierten sich stark, sagte er unserer Redaktion. „Im Frühjahr gab es 140 000 Beschäftigte aus Asylherkunftsländern, 30 000 mehr als ein Jahr zuvor.“

Wie reagiert die Politik?
Durch das neue Integrationsgesetz wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erleichtert. Die Altersgrenze zu Beginn einer Ausbildung wurde aufgehoben. Bis ein hoher Anteil der Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt angekommen sei, werde es „zehn Jahre“ dauern, meint der Wirtschaftspsychologe Jürgen Deller von der Universität Lüneburg.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserer Webseite haben wir unter diesem Text die Kommentarfunktion deaktiviert. Leider erreichen uns zu diesem Thema so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Kommentare, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Wir bitten um Verständnis.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert