Terrorangst in Europa : Höchster Terroralarm in Brüssel

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Nach Hinweisen auf einen Anschlag wie in Paris gilt in Brüssel die höchste Warnstufe. Die Vereinten Nationen sollen im Kampf gegen den IS ein Bündnis schmieden.

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21. November 2015, 09:46 Uhr

Eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris hat Belgien die höchste Sicherheitswarnstufe für die Hauptstadt Brüssel ausgerufen. Auslöser seien konkrete Hinweise auf ein geplantes Attentat von Terroristen ähnlich dem in Frankreich gewesen, sagte Belgiens Premierminister Charles Michel am Samstag der Nachrichtenagentur Belga zufolge.

Der UN-Sicherheitsrat forderte alle Mitglieder der Vereinten Nationen dazu auf, den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu verstärken. Auf deren Konto gehen die Angriffe vom 13. November, bei denen 130 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden. Frankreichs Staatspräsident François Hollande trifft in der kommenden Woche mehrere Regierungschefs.

Der belgische Premier Michel sagte, es habe Hinweise auf Anschläge an mehreren Orten gegeben, etwa auf Einkaufszentren oder den öffentlichen Nahverkehr. Wegen der Informationen über „eine ernste und unmittelbare Bedrohung“ habe man in der Nacht zum Samstag die Terrorwarnstufe für Brüssel auf das höchste Niveau 4 angehoben.

Viele Geschäfte schlossen, die Einkaufsstraßen leerten sich. Die U-Bahn sollte bis Sonntag 15.00 Uhr stillstehen. An Bahnhöfen wurden Passagiere verstärkt kontrolliert, Soldaten patrouillierten. Das Atomium, Wahrzeichen der Stadt, blieb geschlossen. Ein Musikfestival wurde ebenso abgesagt wie zahlreiche Fußballspiele, darunter das Erstliga-Topspiel zwischen dem KSC Lokeren und dem RSC Anderlecht.

In Deutschland habe die Brüsseler Terrorwarnung keine Auswirkungen für die Bedrohungslage, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Das Auswärtige Amt empfahl Reisenden nach Belgien unter anderem, größere Menschenansammlungen wie Konzerte, Bahnhöfe und Flughäfen zu meiden und Weisungen der Sicherheitskräfte zu befolgen.

Belgien steht nach der islamistischen Terrorserie in der französischen Hauptstadt Paris im Fokus, weil es enge Verbindungen der Attentäter nach Brüssel gibt. Der mutmaßliche Organisator der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud (28), war Belgier mit marokkanischen Wurzeln und lebte früher in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Brüssel ist auch Sitz der Einrichtungen der Europäischen Union und der Nato. In der Hauptstadtregion leben mehr als eine Million Menschen.

In einer am Freitagabend in New York einstimmig verabschiedeten Resolution des UN-Sicherheitsrats heißt es, „alle Staaten, die die Möglichkeiten dazu haben, sollen in Übereinstimmung mit den Völker- und den Menschenrechten ihre Maßnahmen verstärken und koordinieren, um Terrorakte des IS zu unterbinden“. Sie sollten die Finanzströme der Terrormiliz blockieren und ausländische Islamisten nicht nach Syrien gelangen lassen. Frankreich hatte den Entwurf eingebracht.

Präsident Hollande hat dazu eine Woche voller Gespräche vor sich: am Montag mit dem britischen Premierminister David Cameron in Paris, Dienstag mit US-Präsident Barack Obama in Washington, Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder in Paris und am Donnerstag in Moskau mit Kremlchef Wladimir Putin. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), der als erstes Regierungsmitglied nach den Anschlägen nach Paris reiste, versprach am Samstag Hilfe im Kampf gegen Extremisten.

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft teilte darüber hinaus mit, dass am Freitag bei der Durchsuchung der Wohnung eines Verdächtigen mehrere Waffen gefunden worden seien. Die Person stehe im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris. Der mutmaßliche Drahtzieher Abaaoud war am Mittwoch bei einem Einsatz französischer Spezialkräfte in Saint-Denis bei Paris ums Leben gekommen. Sieben von acht bei dem Zugriff festgenommenen Personen sind wieder auf freiem Fuß.

Nach der Erstürmung waren drei Leichen gefunden worden: neben Abaaoud und seiner Cousine die eines noch nicht identifizierten Mannes. Auch die türkische Polizei nahm einen Belgier marokkanischer Abstammung fest, der bei den Pariser Anschlägen möglicherweise eine Rolle spielte. Dies berichtete die türkische Nachrichtenagentur Dogan. Er und zwei mutmaßliche Komplizen sitzen im Gefängnis.

Die Polizei verlängerte das Demonstrationsverbot in Paris bis Ende November. Dann beginnt dort der gut zweiwöchige Weltklimagipfel.

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