Nach sexuellen Übergriffen : Hallenbadverbot für Flüchtlinge

Die Stadt Bornheim hat männlichen Flüchtlingen den Zutritt zum Schwimmbad verboten.
Die Stadt Bornheim hat männlichen Flüchtlingen den Zutritt zum Schwimmbad verboten.

Besucherinnen und Angestellte beschweren sich über Belästigungen. Karnevalsverein sagt Rosenmontagsumzug ab.

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15. Januar 2016, 21:00 Uhr

„Flüchtlinge raus?“ Aus dem Schwimmbad in Bornheim schon. Zumindest die Männer. Genauso umstritten ist das Aus für einen Rosenmontagszug am Niederrhein.

In der aktuellen Debatte um den Umgang mit Zuwanderern haben zwei NRW-Kommunen drastische Konsequenzen gezogen. Am Freitag lösten die einschneidenden Maßnahmen Diskussionen aus. So ist die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen gegen ein generelles Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge, wie es die Stadt Bornheim bei Bonn praktiziert. Es sei fraglich, ob dieses Verbot praktisch durchsetzbar und juristisch haltbar sei, sagte ein Sprecher der Gesellschaft.

Die Stadt Bornheim teilte mit, die Flüchtlinge hätten Ausweise, mit denen sie bisher preiswerter ins Schwimmbad gekommen seien. Anhand dieser Ausweise könne man sie erkennen und ihnen den Zutritt verweigern. „Es ist einfach auch wichtig, dass sich Frauen nicht irgendwelche obszönen Äußerungen anhören müssen“, sagte er.

Die Stadt hatte Flüchtlingsmännern über 18 Jahren den Zugang zu dem Hallenbad verboten, weil sich immer mehr Besucherinnen und Angestellte über sexuelle Belästigungen durch Männer aus einer nahen Asylbewerberunterkunft beschwert hatten. Dabei habe es sich nicht um Straftaten gehandelt, sagte Bornheims Sozialdezernent Markus Schnapka.

Das Verbot sei bei den Bewohnern der Unterkunft auf Verständnis gestoßen, betonte Schnapka und kündigte an: „Sobald wir von den Sozialdiensten die Mitteilung bekommen, dass die Botschaft angekommen ist, beenden wir diese Maßnahme wieder.“ Die deutsche Bädergesellschaft will neue Aushänge für die Schwimmbäder drucken, in denen in mehreren Sprachen erklärt wird, dass Berührungen und mündliche Anspielungen unzulässig sind.

Am Donnerstag hatte ein Karnevalsverein in Rheinberg am Niederrhein den Rosenmontagsumzug abgesagt. Die Stadt hatte ein Sicherheitskonzept verlangt, das der kleine Traditionsverein im Ortsteil Orsoy so schnell nicht umsetzen kann. Dabei spiele auch die Nähe des Zugs zu einer Flüchtlingsunterkunft eine Rolle, die ein „Gefahrenpunkt“ sein könne, räumte ein Vertreter der Stadt ein. Der Umzug sei aber nicht nur wegen der Nähe zur Unterkunft abgesagt worden. Bei manchen Rheinberger Bürgern stieß der Schritt auf Unverständnis.

Aus anderen Kommunen wurden solche Rosenmontags-Absagen bislang nicht bekannt. Allerdings hat die Polizei in einigen Großstädten bereits eine Urlaubs- und Freizeitsperre für ihre Beamten an Rosenmontag ausgesprochen. In Münster sagte eine Sprecherin: „Wir werden unsere Beamten an bestimmten Brennpunkten gut verteilen.“

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