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Politik

19. November 2017 | 02:29 Uhr

Halbzeit beim Klimagipfel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwischen 1,5 und zwei Grad - Die Debatte um die Obergrenze für den globalen Temperaturanstieg

svz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Es klingt wie ein Mantra, was man in diesen Tagen beim Klimagipfel hört: „Paris ist nicht Kopenhagen“. Es soll keine geografische Binsenweisheit sein, sondern ein hoffnungsfroher Kommentar zum Verhandlungsstand vor Beginn der zweiten Verhandlungswoche. Die Latte liegt allerdings niedrig, schließlich ist die Kopenhagener Klimakonferenz vor sechs Jahren krachend gescheitert.

Ein ehrgeiziger Weltklimavertrag ist nach Meinung von Teilnehmern und Beobachtern in Paris noch drin, aber längst nicht selbstverständlich. Sicher ist: In der zweiten Verhandlungswoche geht es ans Eingemachte, dann sitzen die Minister am Verhandlungstisch. „Kein Zweifel, es wird Drama geben“, sagt Liz Gallagher von der Umweltschutzorganisation E3G.

Beim Zankapfel Finanzhilfen für Entwicklungsländer gab es bisher viele Zeichen guten Willens, aber keinen entscheidenden Durchbruch. „Indien ist hier, um sicherzustellen, dass die reichen Länder ihre Schuld zurückzahlen“, legt Indiens Umweltminister Prakash Javadekar unter Verweis auf die Verantwortung der Industrieländer, die historisch den Großteil der klimaschädlichen CO2-Emissionen zu verantworten hatten.

Bemerkenswert ist, dass wichtige Industriestaaten demonstrativ auf die größten Verlierer des Klimawandels zugegangen sind. Deren Forderung, die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, dürfte in irgendeiner Form Eingang in den Klimavertrag finden – auch wenn sie wohl kaum als verbindliche Marke an die Stelle des bisherigen 2-Grad-Ziels tritt. Dafür geworben hatten vor allem kleine Inselstaaten wie Vanuatu, die der steigende Meeresspiegel zu verschlingen droht.

Jan Kowalzig von Oxfam empfindet es geradezu empörend, dass es keine klaren Vorgaben dafür geben dürfte, wie selbst eine Obergrenze für die Erderwärmung von 2 Grad zu erreichen wäre. Die schon vor der Konferenz vorgelegten nationalen Klimaziele reichen bislang bei weitem nicht aus, der erhoffte Mechanismus zum regelmäßigen Nachbessern scheine nach derzeitigem Stand schwach. „Es gibt keinen vernünftigen Prozess, um damit umzugehen. Das ist eigentlich ein Skandal“, so Kowalzig.

Immerhin sind alle Fragen, die Umweltschützern wichtig sind, noch im Gespräch, bilanziert Greenpeace-Experte Martin Kaiser. „Die harten Verhandlungen kommen jetzt“, sagt er voraus.

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