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Höcke bei Jauch : Große Bühne für die AfD oder demokratische Diskussion?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zur Frage, ob Hass gesellschaftsfähig wird, hatte Günther Jauch auch AfD-Politiker Björn Höcke ins ARD-Studio geladen

Mit leicht verklärtem Blick greift Björn Höcke in die Innentasche seines Jacketts. Aus „tiefer Liebe zu seinem Land“ sei er in die Politik gegangen, erzählt der rechte Politiker am Sonntagabend vor fünf Millionen ARD-Zuschauern. Der Mann im blauen Anzug beklagt eine „verrückt gewordene Allparteienpolitik“. Und zieht dabei mit feierlicher Geste eine kleine Deutschlandflagge aus dem Jackett.

Pathetisch, peinlich, populistisch – zu diesem Auftritt fallen einem spontan eine ganze Menge Begriffe ein. Doch im ARD-Studio der Sendung „Günther Jauch“ ist es gespenstisch still. „Das spricht für sich“, murmelt Justizminister Heiko Maas (SPD) mehr zu sich selbst. Moderator Jauch macht weiter, beginnt mit einem Einspieler über Höcke, den thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden.

Die Reaktion Jauchs, sein Moderationsstil und die große Bühne für Höcke haben der Sendung seit der Ausstrahlung am Sonntagabend heftige Kritik eingebracht. „Hilfe, ist das eine schlechte Moderation! Höcke sagt, die Syrer haben Syrien. Sollen die sich da abschlachten lassen???“, schrieb Grünen-Politikerin Renate Künast noch während der Sendung auf Twitter.

Zum Thema „Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?“ hatte die ARD zur Diskussion eingeladen. Bundesjustizminister Maas, Journalistin Anja Reschke, der saarländische Innen-minister Klaus Bouillon (CDU) und AfD-Politiker Höcke waren die Gäste. Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten einzuladen, sei grundsätzlich keine schlechte Idee, sagt gestern Sozialpsychologe Andreas Zick von der Uni Bielefeld zu dem Auftritt. Doch die Sendung sei „in die Vorurteilsfalle getappt“. Viel zu lange hätte die Gäste über die Thesen Höckes diskutiert, moniert der Forscher. „Jauch hätte zurückspielen müssen: ,Was wollen Sie eigentlich sagen?‘“ Der Moderator sei nicht richtig vorbereitet gewesen.

Stimmt nicht, sagt die ARD. „Herr Höcke wurde vom Moderator und den Gästen kritisch befragt“, betonte gestern ein Sprecher. Die Entscheidung, den AfD-Politiker einzuladen, sei bewusst getroffen worden, um sich mit seinen Thesen auseinanderzusetzen. Doch: „Am Ende darf man nicht sagen: ,Schön, dass wir alles so ehrlich besprochen haben.‘ Populisten sind nicht ehrlich, die täuschen uns“, so Forscher Zick. 

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