Wohin mit Deutschlands Atommüll? : Gorleben-Streit geht weiter

das Erkundungsbergwerk Gorleben: Die Atommüll-Endlagerkommission hat einen Bericht vorgelegt, der bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll helfen soll.
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das Erkundungsbergwerk Gorleben: Die Atommüll-Endlagerkommission hat einen Bericht vorgelegt, der bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll helfen soll.

Hauen und Stechen um Endlager-Kompromiss. Wirbel um Kommissionsbericht für Standortsuche

svz.de von
29. Juni 2016, 08:00 Uhr

Bis kurz vor eins in der Nacht war um die letzten Details gerungen worden, um jede einzelne Formulierung. Wo wird das dringend benötigte Endlager für Deutschlands Atommüll errichtet? Welche Standorte kommen infrage? Monatelang hatten die 33 Mitglieder der Endlager-Kommission über die Empfehlungen gestritten. In der Nacht zu gestern gab es schließlich den Durchbruch. Das Gremium macht nun Vorgaben zur Sicherheit eines solchen Endlagers. Diese sollen jetzt in ein Gesetz gegossen werden, bevor der Bundestag über mehrere Standorte entscheiden kann, die auf ihre Eignung untersucht werden sollen.

Bis 2031 dürfte der Ort festgelegt sein. In Betrieb gehen könnte das Endlager wohl nicht vor dem Jahr 2050. Transparent solle es bei allen Verfahrensschritten zugehen, die Bürger vor Ort umfassend beteiligt werden.

Keine Einigung gab es in dem Gremium mit Vertretern von Bund, Ländern, Wissenschaft und Verbänden in der heiklen Gorleben-Frage. Der Salzstock im niedersächsischen Wendland war bereits mit Milliarden-Aufwand untersucht worden, bis die Erkundung 2012 gestoppt wurde. Bund und Länder vereinbarten daraufhin einen Neustart bei der Endlager-Auswahl. Die Suche nach einem Standort solle in der gesamten Bundesrepublik erfolgen können, ohne Festlegungen auf ungeeignete Gebiete. Die Endlager-Suche solle „ergebnisoffen“ erfolgen.

Allerdings schraubt die Kommission die Anforderungen in die Höhe – für Gorleben könnte es dann schwierig werden, vermuten einige. So müssen die Atommüll-Behälter aus dem unterirdischen Lager herausgeholt werden können.

Nach den schlechten Erfahrungen mit den Nuklear-Abfällen im Salzbergwerk Asse, wo vor allem schwach- und mittelradioaktiver Müll eingelagert worden war, galt dieses Kriterium als besonders wichtig. Zudem empfiehlt die Kommission strenge Vorgaben für die Wärmeentwicklung: Die Temperatur an der Außenwand der Atommüll-Behälter dürfe nicht mehr als 100 Grad betragen. Nach jetzigem Stand der Technik wäre es bis zu 290 Grad. Über dem Gestein, in dem sich das Endlager befinde, müsse es ein festes, massives Deckgebirge geben.

„Wir brauchen eine Lösung vor der Bundestagswahl. Der Gesetzgeber hat genug Zeit, unsere Vorschläge noch umzusetzen“, erklärte Kommissionschef Michael Müller, SPD-Politiker und früherer Umweltstaatssekretär, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Die Empfehlungen der Kommission stoßen auf Zustimmung und Widerspruch.
Bayern geht auf Distanz zu den Empfehlungen. „Die Gesteine in Bayern sind nicht für ein Endlager geeignet – das gilt für Granit, Ton und Salz“, erklärte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. „Bei der Sicherheit dürfen keine Abstriche aus politischen Gründen gemacht werden.“ Bei der Sicherheit auf technische Barrieren wie beispielsweise spezielle Behälter zu vertrauen, reiche nicht aus: „Wir brauchen in den Stein gemeißelte Sicherheit.“

Die Äußerungen aus München dürften für weiteren Streit in der Endlager-Frage sorgen.
 

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