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Glückliche Heimkehr sorgt für neue Sorgen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sorge um Eskalation vor Ukraine-Wahl / Kritik an Verhalten der Bundeswehrgeiseln / Streit um politische Strategie

von
erstellt am 04.Mai.2014 | 14:09 Uhr

Aufatmen und Erleichterung am militärischen Teil des Flughafens. „Wir danken aus tiefstem Herzen für die Anstrengungen, die für uns unternommen wurden“, zeigte sich Oberst Schneider am Samstagabend bewegt. „Ein Leben lang werde ich das nicht vergessen.“

Das Drama um die Geiseln wirft Fragen auf: CSU-Vize Peter Gauweiler stellt sie am lautesten. Er will wissen, wer die Entsendung der Soldaten beschloss und warum es im deutschen Interesse sei, sich „in dieser plumpen Weise noch tiefer in den Konflikt hineinziehen zu lassen“. Kritik und Zuspitzungen, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) so nicht gelten lässt: „Ich finde es wichtig, dass wir uns nicht einschüchtern lassen.“ Es sei Ziel solcher Beobachter-Teams herauszufinden, wie das militärische Potenzial vor Ort sei, damit auch die Diplomatie weiß, wie man es einzuschätzen habe.
Das Happyend im Fall der OSZE-Geiseln sorgt in Berlin nur vorübergehend für zufriedene Gesichter. Schnell mischt sich die Sorge wegen der nicht enden wollenden Gewalt in der Ukraine hinein. Dass dort in drei Wochen eine demokratische Wahl stattfinden soll – kaum vorstellbar angesichts immer neuer schrecklicher Bilder aus Slawjansk, Odessa und anderen Städten. Die Telefon-Diplomatie geht weiter: Moskau fürchte jetzt eine ukrainische Großoffensive, erfährt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vom russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Unterdessen meldet sich Altkanzler Gerhard Schröder. Tagelang hatte er in der Kritik gestanden, weil er Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Geburtstagsempfang in St. Petersburg herzlich umarmt hatte. Wegen seiner Teilnahme geriet auch CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder in Erklärungsnot. Schröder ließ sein Büro bestätigen, dass er mit Putin über das Schicksal der Geiseln gesprochen habe.

Die Freilassung als Bestätigung für die These, es könne nur etwas erreicht werden, wenn der direkte Gesprächsfaden nicht abreiße? „Absurd“, heißt es aus der Unionsführung. CSU-Vize Gauweiler äußert sogar Befremden über den Auftritt der Soldaten bei der inszenierten Pressekonferenz in der Vorwoche: Weshalb bedanke sich ein deutscher Offizier bei seinem Geiselnehmer öffentlich, frage er sich: „Der ganze Vorgang macht auch für die Bundeswehr einen unguten Eindruck.“

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