zur Navigation springen

NDR-Intendant zu Fake News : „Glaubwürdige Quellen noch wichtiger“

vom
Aus der Onlineredaktion

NDR-Intendant Marmor: Fake News-Debatte ist auch eine Chance für die Medien

NDR-Intendant Lutz Marmor sieht in der gesellschaftlichen Debatte um gefälschte Nachrichten auch eine große Chance für viele Medien, an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Je stärker die Menschen die Diskussionen um Fake News wahrnähmen, desto mehr schauten sie auf die Quellen. „Es ist derzeit wie in der Arztpraxis.Da gibt es die einen Patienten, die aufgeklärt mit einer vernünftigen Einordnung ihrer Informationsquellen über Krankheiten umgehen, aber auch die anderen, die mit den tollsten Theorien aus ungesicherten Quellen beim Doktor erscheinen“, sagte Marmor in Hamburg.

Laut einer aktuellen Umfrage sagen unverändert 62 Prozent der Befragten, dass der Norddeutsche Rundfunk unabhängig in seiner Berichterstattung sei. Gleichzeitig bescheinigt die jährlich vom öffentlich-rechtlichen Sender in Auftrag gegebene Trendstudie dem NDR erneut hohe Werte bei Glaubwürdigkeit (84 Prozent, Vorjahr 86 Prozent) sowie Vertrauen (81 Prozent, Vorjahr: 82 Prozent). Ähnliche Werte beim Vertrauen bekommen laut dieser Umfrage bei Menschen in Norddeutschland die Polizei, das ZDF und die Stiftung Warentest.

Skeptisch bleiben demnach die Menschen bei den IT-Konzernen Google, Microsoft, Apple und Facebook (zwischen 45 und 13 Prozent). Die Deutsche Bahn hat beim Vertrauen im Vergleich zum Vorjahr überraschend deutlich zugelegt (44 Prozent).

Auf diesen guten Ergebnissen für sein Haus will sich NDR-Intendant Marmor jedoch nicht ausruhen, zumal es auch weniger erfreuliche Umfrageergebnisse („belehrend“, „provinziell“, „bürokratisch“) gibt: „Wir leben in einer Zeit, in der um Journalismus gestritten wird. Wir müssen daher um die Menschen kämpfen, die sagen: ,Wir vertrauen dem NDR nicht.‘ Der alte Grundsatz der Branche ,Sei schnell, aber vor allem sei richtig‘, ist immer schwieriger durchzuhalten in einer Zeit, wo Druck entsteht, wenn man fünf Minuten später angeblich schon hinten dran ist.“

Marmor (62), der der drittgrößten ARD-Anstalt seit neun Jahren vorsteht, setzt darauf, noch transparenter zu machen, dass es Redaktionskonferenzen gebe, diskutiert und gestritten werde. Die Journalisten müssten anders als früher noch mehr erklären, was sie täten. „Es gibt ja oft die Frage: Wer entscheidet denn, wann eine Nachricht kommt und wann nicht?“.

Allerdings will der Intendant die Offenheit auch nicht als Arbeitsnachweis missverstanden wissen: „Die Mehrheit der Menschen sagt auch, wie ihr Nachrichten macht, das ist zwar interessant. Aber ich will auch nicht wissen, wie der Bäcker das Brot macht, es reicht mir zu wissen, dass es schmeckt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen