Geberkonferenz London : Geld sammeln für Syrien

Bei einer Geberkonferenz in London werden Milliardenhilfen gesucht. Geld ist aber nicht das einzige Problem

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31. Januar 2016, 14:06 Uhr

Die nackten Zahlen sind bedrückend. 250 000 Tote und 1,2 Millionen Verletzte. Mehr als 4,5 Millionen Menschen auf der Flucht, 13,5 Millionen dringend hilfsbedürftig. Hinter den Zahlen stehen Einzelschicksale. „Syrien ist die schwerste humanitäre Krise der Welt“, steht ganz oben auf der Homepage der Geberkonferenz, zu der am 4. Februar Vertreter aus rund 70 Staaten in London zusammenkommen. Deutschland ist eines der Gastgeberländer, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihr Kommen angekündigt. Das Ziel dieser Konferenz ist klar: Mehr als sieben Milliarden Euro muss die Weltgemeinschaft nach UN-Schätzung aufbringen, um die Not der Opfer des syrischen Bürgerkriegs zu lindern, der bereits seit fünf Jahren tobt. Für Lebensmittel und Medikamente, aber auch für sanitäre Anlagen und Bildungsprogramme. Es ist schon die vierte Geberkonferenz für Syrien.

Ariane Rummery vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sagte, ein Großteil des 2015 zugesagten Geldes sei erst gegen Ende des Jahres eingegangen. Immerhin haben sich die Geberländer an ihre Zusagen gehalten, ergänzt Jens Laerke vom UN OCHA, dem Büro, das die Hilfsmittel koordiniert. 90 Prozent des versprochenen Geldes sei schließlich überwiesen worden.

Die Sprecher vermeiden, in konkreten Zahlen zu benennen, was sie sich von London erhoffen. „Deutlich mehr“ soll es werden, sagt Laerke. Das könnte klappen, denn der Druck steigt im Westen. Der Syrienkrieg erreicht die Europäer längst nicht mehr nur als grauenhafte Nachrichten-Bilder. Millionen Flüchtlinge stellen die deutsche und andere Regierungen vor gewaltige innenpolitische Probleme.

Deutscher Experte berät UN-Vermittler
An den Syrien-Friedensgesprächen ist auch einer der bekanntesten deutschen Nahost-Experten beteiligt. Volker Perthes, Leiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), gehört zum Beraterteam von UN-Sondervermittler Staffan de Mistura, bestätigte eine UN-Sprecherin am Samstag.  Der 57-Jährige gehört bereits seit längerem zum Beraterkreis des UN-Vermittlers. De Mistura berief ihn 2015 zum Moderator von einer der insgesamt vier Arbeitsgruppen, in denen das Regime und seine Gegner verhandeln sollten. Die Arbeitsgruppen existieren mittlerweile nicht mehr. Perthes steht seit 2005 an der Spitze der renommierten SWP. Auch im Nahen Osten genießt er großes Ansehen - nicht zuletzt, weil er fließend Arabisch spricht. Mit Syrien hat er sich besonders intensiv beschäftigt. Als Buch-Autor hat sich Perthes ebenfalls einen Namen gemacht. Zuletzt erschien von ihm sein Essay „Das Ende des Nahen Ostens, wie wir ihn kennen“. Darin schreibt Perthes, dass die Region erst am Anfang eines langen Umbruchs stehe. Jan Kuhlmann

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mahnte eben erst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: Um die Massenflucht nach Europa einzudämmen, müsse mehr Geld in und um Syrien zur Verfügung gestellt werden. Das sei zwar teuer, aber notwendig.

Kommen die Hilfen an? Nicht überall. UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien sagte im Dezember in Damaskus, nachdem er sich drei Tage lang selbst ein Bild der Lage in Syrien gemacht hatte: Von den 4,5 Millionen Menschen, die in schwer zugänglichen Regionen lebten, hätten 2015 nur sieben Prozent UN-Hilfen bekommen. In belagerten Gebieten, in denen 400    000 Menschen lebten, sehe es noch düsterer aus. O'Brien fordert daher nicht nur Geld, sondern auch und vor allem Zugang für die Helfer: „Humanitäre Hilfen durchzulassen ist die Pflicht aller Parteien dieses Konflikts.“ Dass Zugang für Hilfsleistungen zum politischen Spielball werde, sei inakzeptabel. Zudem mahnt er, politische Ziele nicht mit der Nothilfe zu vermengen: „Zwar kann die humanitäre Hilfe die Krise nicht beenden, aber solange die Krise besteht, muss Hilfe zu den Menschen kommen.“ Die eigentliche Lösung, da sind sich über 100 Hilfsorganisationen einig, kann nur das Ende des Bürgerkriegs sein. In einem eindringlichen Appell forderten sie vorige Woche, das Blutvergießen zu beenden.

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