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DDR-Vergangenheit : Geld für SED-Aufarbeitung reicht nicht

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Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit soll weitergehen. Die zuständige Stiftung würde gern mehr Vorhaben unterstützen, kann aber nicht.

svz.de von
erstellt am 20.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kann derzeit wegen knapper Finanzen eine Vielzahl von Projekten nicht fördern. „Wir müssen 60 Prozent der Anträge ablehnen“, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung, Anna Kaminsky, der Deutschen Presse-Agentur. Stark gesunkene Zinseinnahmen machten der Stiftung, die sich aus Bundesmitteln und Kapitalvermögen finanziert, seit 2013 zu schaffen. Und das Stiftungsvermögen darf nicht angetastet werden. „Das Interesse an der Aufarbeitung steigt und wir haben zu wenig Geld - da beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagte Kaminsky.

Wegen der schwierigen Situation haben die Haushälter des Bundes in diesem Jahr wieder 500 000 Euro zusätzlich bereitgestellt. „Darüber freuen wir uns sehr, es rettet uns einige Vorhaben und stabilisiert die Stiftung.“ Im 25. Jahr der Deutschen Einheit werden so mit zwei Millionen Euro bundesweit knapp 130 neue Projekte unterstützt. Früher standen allein an Stiftungsgeld 2,5 Millionen Euro für Aufarbeitungsprojekte bereit.„Ein befristeter, fester Jahres-Zuschuss vom Bund wäre die ideale Lösung - wir hätten dann mehr Planungssicherheit“, betonte die Geschäftsführerin. Anliegen sei weiter, die dezentrale Aufarbeitung zu stärken. In den meisten früheren DDR-Bezirkshauptstädten gebe es eine „Aufarbeitungs-Infrastruktur“. Die Auseinandersetzung mit der zweiten Diktatur müsse zum selbstverständlichen Thema in Schule und Lehre werden, sagte Kaminsky. Für Menschen in ländlichen Gebieten und in den westdeutschen Ländern solle das Informationsangebot weiter verbessert werden.

Die Stiftung will voraussichtlich zum Jahresende einen erweiterten Sammelband zu Orten des Erinnerns herausbringen. Bundesweit wurden nach ihren Angaben rund 900 Gedenkzeichen registriert, die auch auf verschwundene Orte der DDR-Repression hinweisen. „Hier wird Geschichte aus der Anonymität geholt, hier können sich Museen, Schulen und Gedenkstätten Anregungen für die Geschichtsaufarbeitung in der eigenen Region holen“, hob Kaminsky hervor. Zunächst sei eine Auflage von 2000 Stück geplant. Später soll die Dokumentation auch online gestellt werden.

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