Mecklenburg-Vorpommern : Gefahr großer Altersarmut in Mecklenburg-Vorpommern

Eine ältere Frau sucht in einem Müllbehälter nach Pfandflaschen. Wer im Alter mit seinem Einkommen auskommen will, muss zusätzlich vorsorgen.  Doch das können viele nicht.
Eine ältere Frau sucht in einem Müllbehälter nach Pfandflaschen. Wer im Alter mit seinem Einkommen auskommen will, muss zusätzlich vorsorgen. Doch das können viele nicht.

Für künftige Ruheständler im Nordosten könnte es besonders eng werden. Fast jedem Vierten droht nach Angaben der Volkssolidarität ein karges Einkommen.

svz.de von
04. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Geringe Löhne und hohe Arbeitslosigkeit verheißen auch für die Rentenentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern nichts Gutes. Nach Angaben der Volkssolidarität droht fast jedem vierten Arbeitnehmer im Land über 50 Jahre im Rentenalter Altersarmut. „In keinem anderen Bundesland ist die Gefahr größer“, sagte Hanna Haupt vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg anlässlich des „Rentenreports 2013“.

Das 80-seitige Papier war im Auftrag des Landesverbandes der Volkssolidarität erstellt worden. Laut Haupt liegen die Bruttoeinkommen im Nordosten 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt und gar 40 Prozent unter dem Hamburger Niveau. Ein Drittel der Beschäftigten im Nordosten erhalte Stundenlöhne unter 8,50 Euro. In den alten Bundesländern sei der Anteil mit 17 Prozent halb so hoch. „Das hat Folgen für die Rente, und zum Sparen bleibt da auch nicht viel“, sagte die Wissenschaftlerin.

Während im Westen der Bundesrepublik vielfach Betriebsrenten die Altersbezüge aufbesserten und Wohneigentum Mietausgaben spare, sei in den neuen Ländern die gesetzliche Rente in aller Regel das einzige Einkommen im Alter. „98 Prozent der Ostrentner leben allein von der Rente. Das muss man berücksichtigen, wenn man die Rentenhöhen vergleicht“, mahnte Haupt. Zudem gebe es kaum Pensionäre.

Laut Statistik erhalten Männer in Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 1023 Euro derzeit fast eben so viel Rente wie ihre Altersgefährten in Schleswig-Holstein mit 1041 Euro im Monat. Doch drohe die Schere angesichts der aktuellen Einkommenslage bis 2030 erheblich auseinanderzugehen. Haupt verwies auf Prognosen, nach denen die Renten für Männer im Westen annähernd konstant bleiben, im Osten aber um fast ein Drittel auf etwa 700 Euro sinken. Bei Frauen fallen demnach die Senkungen geringer aus.

Haupt bekräftigte die Forderungen der Volkssolidarität nach einer raschen Angleichung der Rentensysteme in Ost und West. „Den Bekenntnissen der Politiker müssen endlich Taten folgen“, sagte der stellvertrende Landesvorsitzende, Reinhold Sobottka. Zudem dürfe die allgemeine Rentenentwicklung nicht von der Einkommensentwicklung entkoppelt werden. Das Ziel der Lebensstandardsicherung müsse wieder ins Zentrum der Rentenpolitik rücken und die Regelung für Niedriglöhner und Arbeitslose verbessert werden.

Die Volkssolidarität ist ein Wohlfahrtsverband in den neuen Bundesländern, der sich der Betreuung älterer Menschen widmet, aber auch Einrichtungen zur Pflege, Suchthilfe und Kinderbetreuung unterhält. Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern zählt nach eigenen Angaben rund 44 000 Mitglieder. Er betreibt unter anderem acht Pflegeheime, 29 ambulante Pflegedienste und 68 Kitas.

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