Nach Londoner Brand-Katastrophe : Gefährdete Hochhäuser auch in MV?

Feuerwehrleute löschen Glutnester in London.
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Feuerwehrleute löschen Glutnester in London.

Londoner Brandkatastrophe wirkt nach Deutschland. Evakuierung in Wuppertal. Kritik an Hendricks.

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29. Juni 2017, 06:00 Uhr

Damit eine Brandkatastrophe wie in London nicht auch in Deutschland passieren kann, sollen örtliche Behörden jetzt bundesweit verdächtige Hochhäuser unter die Lupe nehmen. Die Bauministerkonferenz werde „kurzfristig erheben, wo es solche Bauten geben kann“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch in Berlin. Der bisherige Takt von sechs Jahren, in dem Dämm- und Brandschutzvorgaben kontrolliert werden müssen, solle kürzer werden, schlug das Bundesbauministerium zugleich den Bundesländern vor. Baurecht fällt in Deutschland in die Zuständigkeit der Länder.

Drastische Folgen hat das Unglück von London für 70 Mieter eines Hochhauses in Wuppertal. Weil die Fassadenverkleidung als feuergefährdet gilt, dürfen die Mieter dort bis auf Weiteres nicht mehr nach Hause zurückkehren. Die Grünen fordern von Bundesbauministerin Hendricks deshalb eine flächendeckende Überprüfung ähnlicher Bauten. „Die Evakuierung in Wuppertal zeigt, dass auch in Deutschland Handlungsbedarf besteht. Brandschutz ist eben kein Bürokratiemonster, das nur die Baukosten hochtreibt, wie so gern behauptet wird“, erklärte Chris Kühn, baupolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, gestern. „Brandschutz kann Leben retten. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie hier handelt und die Überprüfungen zügig voran bringt.“

Bauministerin Hendricks hatte gestern ihre Amtskollegen in den Ländern aufgefordert, kurzfristig zu erheben, wo es ähnliche Bauten wie in Wuppertal gebe. Hendricks erwägt, die derzeit sechsjährige Überprüfungspflicht für Dämm- und Brandschutzvorgaben zu verkürzen.

Aus dem Infrastrukturministerium in Mecklenburg-Vorpommern hieß es am Mittwoch: „Im Moment gibt es keine Erkenntnisse dafür, dass es im Land Hochhäuser gibt, die betroffen sein könnten.“ Und die Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro ließ gegenüber der Redaktion verlauten: „Die 19 Wiro-Hochhäuser sind mineralisch gedämmt, also nicht gefährdet.“

Das NRW-Bauministerium erklärte, nach erster Auskunft der Stadt Wuppertal handele es sich um ein Hochhaus ohne jegliche Wärmedämmung. Herkunft und Beschaffenheit der verwendeten Bauprodukte seien noch nicht abschließend geklärt. Es sei unklar, ob die Baustoffe zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes den damaligen Anforderungen entsprochen hätten oder gegebenenfalls Alterungsprozesse eine Rolle spielen würden. Nach den heute geltenden Vorschriften müssen die Außenwände von Häusern über 22 Meter aus nicht brennbaren Stoffen bestehen. Bereits in der NRW-Landesbauordnung von 1962 gab es ein entsprechendes Verbot.

Laut Bundesbauministerin Hendricks stammt das geräumte Hochhaus in Wuppertal aus den späten Fünfzigerjahren. Ein Sprecher erklärte, der Fall sei bei regulären Überprüfungen durch die zuständigen Behörden entdeckt worden. „Ob es sich bei den festgestellten Mängeln am Brandschutz des Wuppertaler Hochhauses um einen Einzelfall handelt, muss nun geklärt werden“, sagte der Sprecher weiter. Jetzt müssten die Behörden prüfen, ob es noch mehr solcher Fälle gebe. Zur Zahl der Hochhäuser und sonstigen Gebäude in Deutschland mit möglicherweise nicht zugelassenen brennbaren Dämmstoffen habe das Bauministerium bisher keine Erkenntnisse.

„Wir können nur hoffen, dass der Warnschuss aus London endlich ernst genommen wird“, sagte der Leitende Branddirektor der Frankfurter Feuerwehr, Reinhard Ries. Bei Brandschutz-Tests fielen in Großbritannien nach neuestem Stand von gestern 120 Hochhäuser durch.
 

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