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Aus dem Gerichtssaal : Für 35 Euro Beute

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Handtaschenraub mit Todesfolge in Rostock: Täter kommt in die geschlossene Anstalt

Nach einem Handtaschenraub mit tödlichem Ausgang hat das Landgericht Rostock einen 20-jährigen Obdachlosen für vorerst unbegrenzte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen. Sein 56 Jahre alter Komplize kommt für vier Jahre und sechs Monate wegen mehrfachen schweren Diebstahls ins Gefängnis.

Der jüngere Täter hatte kurz vor Weihnachten 2015 auf dem Rostocker Westfriedhof einer 83-jährigen Rentnerin die Handtasche entrissen. Weil sie sich wehrte, zerrte der Täter derart an dem Riemen der Tasche, dass die alte Dame mit dem Hinterkopf auf den Gehweg fiel. Die Folgen des Sturzes waren so heftig, dass sie einen Tag später starb. Der Angreifer entkam mit 35 Euro, einer Schachtel Herztabletten und einer Tüte Bonbons. Dem im Auto wartenden Komplizen sagte er, die Frau habe sich vielleicht die Schulter „oder das Genick“ gebrochen. Einen Arzt alarmierten sie dennoch nicht. Der Ältere hatte eingeräumt, Margarete G. auf dem Friedhof als mögliches Opfer ausgespäht und dem 20-jährigen gezeigt zu haben.

„Ein Mensch ist für nichts und wieder nichts zu Tode gekommen“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Strauß. Das Gericht glaubte einem Gutachter, der dem 20-jährigen mehrere Verhaltensstörungen attestiert hatte. Von ihm seien „weiter erhebliche Straftaten“ zu befürchten und er stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, so der Psychiater. Darum müsse er laut Gesetz so lange in den so genannten Maßregelvollzug, bis eine Therapie ihm möglicherweise helfe. „Wie lange die Behandlung dauert, kann niemand sagen“, so Richter Strauß.

Es waren zwei extrem unterschiedliche Typen, die das kriminelle Duo bildeten, dem Margarete G. zum Opfer fiel, als sie das Grab ihres Mannes pflegen wollte. Der Jüngere mit einem kindlichen Gesicht und laut Gutachten mit einer Intelligenz nahe am Schwachsinn. Der Ältere ein Dieb und Betrüger, der bereits 24 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hat. Ähnlich allerdings war die Kindheit der beiden. Ein zerrüttetes Elternhaus, verschiedene Heimaufenthalte, Alkohol- und Drogenkonsum.

Kennengelernt haben sie sich im vergangenen Sommer in Hamburg. Der Ältere war gerade nach drei Jahren Haft wegen mehrerer Friedhof-Überfälle frei gekommen. Der Jüngere hielt sich dort als Obdachloser in der zweifelhaften Szene am Hauptbahnhof auf. Anfang Dezember 2015 mieteten sie in Rostock eine Ferienwohnung, von der sie zahlreiche Raubzüge starteten. Anfangs war die 20-jährige „Verlobte“ des Gewohnheitsdiebes noch mit von der Partie. In Güstrow, Heiligendamm und Börgerende schlugen sie die Scheiben parkender Autos ein, klauten Taschen, Handys und Kameras. Zweimal erbeuteten sie auch die zur EC-Karte passende Pin-Nummer, so dass sie Geld am Automaten abheben konnten. Acht Aufbrüche waren angeklagt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es deutlich mehr waren.

Die Räuber gingen noch im Dezember 2015 der Polizei ins Netz. Sie durchbrachen mit ihrem Auto eine Polizeikontrolle. Ihre Flucht endete mit einem schweren Unfall. Die Fahnder waren sowieso schon auf ihrer Spur. Wenige Tage vorher hatte die „Verlobte“ die Räuber verpfiffen.

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