Führerscheintourismus: Idiotentest im EU-Ausland umgehen

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19. März 2014, 00:00 Uhr

Schlupflöcher im Gesetz machten es möglich: Wer seinen deutschen Führerschein - etwa wegen Trunkenheit - abgeben musste, konnte im europäischen Ausland einen neuen bekommen. Jahrelang haben findige Autofahrer eine Richtlinie ausgenutzt, nach dem eine in einem EU-Staat erworbene Fahrerlaubnis europaweit gültig ist. Sie unternahmen eine kleine Reise, legten die notwendigen Prüfungen ab und kamen mit einem neuen Dokument zurück - der Trend wurde als „Führerscheintourismus“ bekannt.

  Das Kraftfahrt-Bundesamt hat seit 2004 mehr als 14 000 Führerscheintouristen gezählt. Wie viele weitere Deutsche ihre entzogene Fahrerlaubnis im Ausland ersetzten, aber nie kontrolliert wurden, ist unbekannt.

  Viele Betroffene konnten mit dem Ausflug in Länder wie Tschechien und Polen den sogenannten Idiotentest umgehen, ohne den sie ihren „Lappen“ in Deutschland nicht zurückbekommen. Mit den Medizinisch- Psychologischen Untersuchungen (MPU) klären deutsche Behörden, ob Autofahrer zum Fahren eines Fahrzeuges geeignet sind. Die Tests sind teuer, und die Durchfallquote ist hoch. Andere Länder verzichten auf solche Tests. „EU-Führerschein ohne MPU“ heißt bis heute die Schlagzeile, mit der zahlreiche Anbieter im Internet werben.

 Über die Rechtmäßigkeit wurde mehrfach juristisch gestritten. Im April 2004 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass innerhalb der EU jede Fahrerlaubnis anerkannt werden muss, die in einem Mitgliedsstaat legal erworben wurde. Seit 2009 wird ein ausländischer Führerschein nicht mehr anerkannt, wenn seinem Inhaber zuvor die deutsche Fahrerlaubnis entzogen wurde. Die Regel gilt allerdings nur für Dokumente, die vom 19. Januar 2009 an ausgestellt wurden.

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