Präsidentenwahl Russland 2018 : Fordert sie Putin heraus?

Die kremlkritische Journalistin Sobtschak hat ihre Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2018 erklärt.
Die kremlkritische Journalistin Sobtschak hat ihre Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2018 erklärt.

Als „Kandidatin gegen alle“ protestiert die russische TV-Ikone Xenia Sobtschak gegen das System. Wer ist die Blondine mit dem schrillen Auftreten?

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10. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Als Kremlchef Wladimir Putin vor russischen Arbeitern seine Kandidatur für die Präsidentenwahl 2018 ankündigt, ist seine selbsternannte Rivalin Xenia Sob-tschak nur 16 Kilometer entfernt. Doch alle Aufmerksamkeit ist auf Putin gerichtet, als dieser beim Autobauer Gaz in Nischni Nowgorod die lang erwartete Ansage macht.

Sobtschak – 36, TV-Star und Mitbewerberin um das höchste Staatsamt – macht zur selben Zeit Wahlkampf in der Handelsstadt an der Wolga. „Dass Putin und ich heute beide hier sind, ist Zufall. Aber dass wir beide antreten, ist kein Zufall“, ruft sie rund 100 Anhängern zu. Russland brauche politischen Wettbewerb, sagt sie.

Auf ihrem Kurztrip in die Provinz sagt sie: „Meine wichtigste Forderung ist, dass eine Regierung ausgewechselt werden kann; dass jene, die dieses Mal wieder an der Wahl teilnehmen, sich nie wieder zur Wahl stellen werden. Ein friedlicher Machtwechsel ist mein Hauptziel.“

Klingt nach einer aufstrebenden liberalen Oppositionsführerin? „Mag sein“, sagen manche; „alles Fake“, sagen andere. Einige Moskauer Experten sehen in Sobtschak ein Instrument des Kremls, um den Wahlkampf aufzupeppen und Putins erwartete Wiederwahl demokratisch stärker zu legitimieren. Wer ist die zierliche Blondine, die seit mehr als zehn Jahren vor allem als schrilles It-Girl bekannt ist?

Im Zug nach Nischni Nowgorod wirkt die Stimmung im Team gespannt. Eng getaktet ist der Zeitplan. Ein Wahlkampfbüro soll eröffnet werden, mehrfach wurde der Termin verschoben – wegen angeblicher Probleme, einen Ort zu finden. Sobtschak versucht, Zweifel zu zerstreuen, etwa, warum sie kaum Konflikte mit den Behörden hat, Sendezeit im Staatsfernsehen bekommt, der Oppositionelle Alexej Nawalny hingegen nicht.

„Ich weiß nicht, ob mein Name mir hilft, aber ich sehe, dass ich die Möglichkeit habe, und ich nutze das aus“, sagt sie. Ihr Vater Anatoli Sobtschak, in den 1990er-Jahren Bürgermeister von St. Petersburg, hatte Putin als jungen Politiker gefördert. Vor allem daher rührt die Skepsis an Sob-tschaks Wahlkampagne.

In den Vorwochen hat Sob-tschak viele Dinge gesagt, die in westlichen Ohren gut klingen, Putin aber kaum gefallen dürften: Das Parlament brauche mehr Macht und die Krim-Annexion sei ein Völkerrechtsbruch. Letzteres rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan, bereitete ihr bislang aber keine rechtlichen Probleme.

„Ich habe keinen Zweifel, dass der Kreml weniger streng mit mir umgeht als mit Nawalny“, sagt sie. „Das erkläre ich so: Ich bin eine Frau, ich komme aus dem Show-Geschäft, ich bin weniger gefährlich und ich habe nicht das große Geld im Rücken.“ Es ärgere sie, dass ihr eine Verbindung zum Kreml nachgesagt werde. „Für Seriosität muss man hart arbeiten, was ich jetzt tue.“

Nawalny darf wegen einer Bewährungsstrafe nicht kandidieren. Mehrfach hat er Zehntausende von Demonstranten mobilisiert, Hunderte von ihnen wurden verhaftet. Sobtschak will seine Rolle nicht übernehmen. „Ich halte Nawalny für den bedeutendsten Anführer der Opposition“, sagt sie.

Nach dem Studium an einer Moskauer Kaderschmiede begann Sobtschaks steile TV-Karriere 2004 mit der Reality-Sendung „Dom-2“ (Haus 2). Als Moderatorin begleitete sie bis 2012 Russen, die vor der Kamera ein Haus bauten und die große Liebe suchten. Für Sobtschak waren diese und viele andere Sendungen nach eigener Darstellung vor allem eine Gelegenheit, Geld zu verdienen. Geprägt habe sie aber die Kindheit in einer Politikerfamilie. Eine Familie, in der auch Putin Gast war.

Heute macht sie Geld unter anderem mit Werbung für Kosmetik. Das Magazin „Forbes“ schätzt ihr Einkommen auf 2,1 Millionen US-Dollar im Jahr. 2011 schloss sie sich Protesten gegen die Regierung an, dann arbeitete sie als Journalistin für den kritischen Sender Doschd.

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