Flüchtlinge in Deutschland : Flüchtlinge erreichen Sumte

<p>Flüchtlinge kommen am 2. November auf dem Gelände der Notunterkunft in Sumte (Niedersachsen) an. </p>

Flüchtlinge kommen am 2. November auf dem Gelände der Notunterkunft in Sumte (Niedersachsen) an.

In dem 102-Seelen-Dorf Sumte sollten bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Zahl wurde reduziert, nun sind die ersten da.

svz.de von
02. November 2015, 21:48 Uhr

Dichter Nebel verzögerte die Ankunft, aber dann kamen doch noch die ersten von geplanten 500 Flüchtlingen im kleinen norddeutschen Dorf Sumte an. Rund 50 von ihnen sitzen im ersten Bus, der an diesem dunklen Herbstabend auf das Gelände der Notunterkunft rollt. „Wir sind froh, dass der Stress für die Flüchtlinge vorbei ist“, sagt die Annegret Droba, Sprecherin des Arbeiter-Samariter-Bundes, der die Notunterkunft betreibt. „Nach der zweiten Bürgerversammlung ist die Atmosphäre im Ort viel entspannter geworden.“ Auf die Neuankömmlinge warten Matratzen und Feldbetten in den Gebäuden des jahrelang leerstehenden Bürokomplexes, die durch einen schier endlosen Gang miteinander verbunden sind. Die Flüchtlinge werden registriert und medizinisch untersucht.

Ohne die vielen Journalisten wäre es wie in all den anderen Unterkünften, doch Sumte hat auch international für Schlagzeilen gesorgt. Ursprünglich war angedacht worden, bis zu 1000 Menschen in der leerstehenden Anlage am Ortseingang unterzubringen. Jetzt sollen es zunächst 500 sein. Die „New York Times“, das russische Fernsehen und britische Zeitungen berichteten darüber, am Tag der Ankunft sind nun auch „Al Jazeera“ und japanische Reporter da.

Nach Bekanntwerden der Pläne waren in dem kleinen Dorf im Landkreis Lüneburg erhebliche Bedenken laut geworden, doch jetzt ist die Aufregung weitgehend dem Pragmatismus gewichen, scheint es. „Für uns heißt es jetzt konstruktiv mit den Herausforderungen umzugehen“, sagt Ortsvorsteher Christian Fabel. „Wir hoffen weiterhin, dass die Breitbandversorgung fürs Internet kommt.“

Weil es in Sumte keine Einkaufsmöglichkeiten gibt, ist ein kleiner Laden auf dem Gelände des Bürodorfs eingerichtet worden, Shuttle-Busse sollen die Unterkunft mit den Orten der Umgebung verbinden. „Es wäre schön, wenn man das auch für die Einwohner mit dem Nahverkehr koordinieren könnte“, sagt Fabel.„Die Belastung von 1000 Flüchtlingen für ein Dorf mit nur 102 Einwohnern ist völlig unverhältnismäßig - das dürfte mit keinem anderen Ort in Deutschland zu vergleichen sein“, hatte der Ortsvorsteher noch direkt nach Bekanntwerden der Pläne gesagt. Die vier Polizisten in der abgelegenen Gemeinde Amt Neuhaus am Ufer der Elbe reichten nicht aus, um notfalls einzuschreiten. Nun wird ein Sicherheitsdienst permanent vor Ort sein. Und die Straßenbeleuchtung im Ort soll künftig auch nachts brennen.

Noch ein Vorteil für Sumte: „Bislang sind schon 55 Arbeitsplätze entstanden“, sagt ASB-Sprecherin Droba. Mehr als 100 Bewerbungen seien eingegangen, mehrere der neuen Kollegen stammen aus dem Ort.

Sumte liegt in der Gemeinde Amt Neuhaus am nordöstlichen Ufer der Elbe. Nach der Wiedervereinigung wurde das einstige DDR-Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern wieder zu einem Teil Niedersachsens. Zwei Fähren bringen Pendler ans andere Ufer der Elbe, nur nachts nicht, auch bei Hochwasser müssen lange Umwege gemacht werden. Sumte hat keinen Laden und keine Kneipe, den nächste Supermarkt ist gut vier Kilometer entfernt. In der Notunterkunft ist deshalb ein kleiner Laden eingerichtet worden, der Grundbedürfnisse befriedigen soll.

Alkohol soll es dort aber nicht geben.

Wie es weitergeht in Sumte, das ist noch offen. „Wann die nächsten Busse kommen, ist uns noch nicht bekannt“, sagt Annegret Droba.„Jetzt geht es darum, dass die Flüchtlinge in Ruhe ankommen können“, betont Grit Richter, die Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus.

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