Anschlag in London : Feuerball in der U-Bahn

Eine Polizistin begleitet eine der Verletzten.
Eine Polizistin begleitet eine der Verletzten.

Anschlag in London mit über 20 Verletzten. Mitten im Berufsverkehr explodiert eine selbstgebaute Bombe

svz.de von
15. September 2017, 21:00 Uhr

Großbritannien ist zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. In einer Londoner U-Bahn explodierte gestern Morgen eine selbst gebaute Bombe. Mindestens 22 Menschen wurden verletzt und in Krankenhäusern versorgt, überwiegend wegen Verbrennungen. Wie Polizei und Rettungsdienste weiter berichteten, schwebte zunächst niemand in Lebensgefahr. Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts und fahndete nach dem Täter oder den Tätern. Das Motiv war zunächst unklar. Niemand bekannte sich zu der Bluttat.

Großbritannien war in diesem Jahr bereits viermal Ziel von Anschlägen mit insgesamt 36 Todesopfern, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten.

Die Bombe explodierte um 8.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr in einer vollbesetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green. Die Station liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadions des Fußballclubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer „Feuerwand“ beziehungsweise einem „Feuerball“ in der Bahn.

Premierministerin Theresa May berief den nationalen Krisenstab ein. Außenminister Boris Johnson rief die Briten auf, Ruhe zu bewahren.

In sozialen Medien kursierten Bilder und Videos von einem weißen Eimer in einer Supermarkt-Tüte, der in dem Waggon eine kleine Explosion ausgelöst haben soll. Aus dem Eimer hingen Drähte. Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz ferngezündet.

Ein Großaufgebot an Rettungskräften und bewaffneter Polizei war binnen weniger Minuten zur Stelle. Die Haltestelle wurde weiträumig abgesperrt. Die Bürger wurden aufgerufen, die Umgebung zu meiden. Hunderte Beamte waren am Nachmittag damit beschäftigt, Videomaterial und andere Beweismittel auszuwerten, wie der Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, mitteilte.

Augenzeugen berichteten von panikartigen Zuständen. Die Menschen seien aus der oberirdischen Station nach unten auf die Straße gerannt. „Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen“, sagte ein Mann namens Luke dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schilderte: „Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte die Anteilnahme und Solidarität Deutschlands deutlich. „Unsere Gedanken sind natürlich bei den Verletzten“, sagte Merkel in Berlin. US-Präsident Donald Trump rief zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf.

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