zur Navigation springen

USA vs. Nordkorea : „Feuer, Wut und Macht“

vom
Aus der Onlineredaktion

Säbelrasseln mit Atomwaffen: USA und Nordkorea schaukeln ihre Rhetorik auf

Hitzige Wortgefechte in einem der gefährlichsten Konflikte der Welt: Donald Trump und Kim Jong Un belegen sich gegenseitig mit Androhungen militärischer Gewalt. Nach seinen deutlichen Worten mit „Feuer, Wut und (...) Macht“ am Dienstag legte Trump gestern gar noch einmal nach und wies wenig missverständlich darauf hin, wie schlagkräftig das US-Atomarsenal doch sei. Nordkoreas Machthaber Kim hatte zuvor mit einem Militärschlag auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik, einen militärstrategisch wichtigen Stützpunkt, gedroht.

Die Kriegsrhetorik, so abwegig sie in Teilen auch sein mag, weckte Ängste vor einer unkalkulierbaren Eskalation oder gefährlichen Fehleinschätzung, die einen gewaltsamen Konflikt mit Hundertausenden Toten auf der koreanischen Halbinsel auslösen könnte.

 

US-Außenminister Rex Tillerson, auf dem Rückweg von Malaysia zu einem Tankstopp auf Guam gelandet, versuchte sich sogleich in Besänftigung. Es gebe keine unmittelbare Bedrohung, die Amerikaner sollten ruhig schlafen. Selbst Trump wies darauf hin: Keiner wolle einen Krieg.

Die Amerikaner sind in der Beurteilung der Handhabe Nordkoreas durch den Oberbefehlshaber ihrer Armee gespalten. 37 Prozent halten Trumps Poltern einer Umfrage des Senders CNN zufolge für richtig – in etwa so viele, wie auch Trumps Amtsführung insgesamt positiv beurteilen.

Außenminister Tillerson versuchte die ungewöhnliche Rhetorik so zu erklären: Trump habe mit Kim Jong Un lediglich in einer Sprache sprechen wollen, die dieser auch verstehe.

dpa_18961200edc06e38 kopie

Während drastische Formulierungen in Nordkoreas Propaganda zum gewohnten Ton gehören, gibt es für derart streitlustige Äußerungen eines amerikanischen Präsidenten nur weniger Präzedenzfälle. Zwar hatte sich auch Trumps großes Vorbild Ronald Reagan gern martialischer Worte bedient – ähnlich drastisch hatte sich jedoch nur US-Präsident Harry Truman 1945 bei der Mitteilung über den Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima geäußert, als er die Kapitulation der Japaner forderte, wie US-Medien hervorhoben. Er drohte ihnen sonst mit „einem Regen der Zerstörung aus der Luft, wie ihn die Erde noch nicht gesehen hat“.

Mit der extremen Wortwahl Trumps wächst die Sorge, dass sich beide Kontrahenten weiter aufschaukeln. Beobachtern in Seoul fiel auf, dass die Drohung Nordkoreas mit einem Angriff auf die Pazifikinsel Guam zumindest gemessen an der üblichen, wilden Kriegspropaganda fast differenziert wirkte. Die Drohung war auch keineswegs neu und schon früher ähnlich geäußert worden.

 

Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke „auf Guam ernsthaft in Erwägung“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA gestern. Der Plan zum Angriff könne „jederzeit“ ausgeführt werden, sobald Kim Jong Un die Entscheidung dazu treffe, sagte ein Militärsprecher. Die USA sollten ihre „rücksichtslosen militärischen Provokationen“ unterlassen, so dass man nicht „gezwungen“ sei, eine „unvermeidliche militärische Entscheidung“ zu treffen.

Der verbale Schlagabtausch ist der vorläufige Höhepunkt der Krise, die durch Nordkoreas Tests mit Interkontinentalraketen eskalierte. Die Sorge über Pjöngjangs Fortschritte mit Nuklearsprengköpfen wächst. Die USA und Japan gehen davon aus, dass Nordkorea inzwischen in der Lage ist, Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken - auch Interkontinentalraketen, die die USA erreichen könnten.

Kommentar von Friedmann Diedrichs: Gefährliche Eskalation

Die Rhetorik der Hauptbeteiligten an der Nordkorea-Krise hat eine extrem beunruhigende Dimension angenommen. Pjöngjang droht Washington mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam und mit einem „totalen Krieg“. Donald Trump wiederum ist ebenfalls kein Feind von verbalen Muskelspielen. Er hatte kurz vor der jüngsten Warnung Kim Jong Uns auf weitere Drohungen Nordkoreas eine Reaktion „mit Feuer, Wut und Macht“ in Aussicht gestellt, wie sie die Welt noch nicht gesehen habe.

Die Gefahr einer militärischen Eskalation in der asiatisch-pazifischen Region ist – nimmt man diese Wortmeldungen zum Maßstab– damit deutlich gestiegen, nachdem Trumps Vorgänger Barack Obama die Atom- und Raketentests Nordkoreas seiner „weichen Diplomatie“-Philosophie folgend acht Jahre lang ausgesessen hatte. Für beide Seiten droht nun auch der politische Gesichtsverlust, wenn nun in dieser Phase rote Linien überschritten werden und angedrohte Konsequenzen ausbleiben. Ein Waffengang wäre dabei zweifelsohne der Super-GAU, zumal die tatsächliche Bereitschaft von Nordkorea, nukleare Sprengsätze einzusetzen, nur schwer abschätzbar ist.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen