Europas Kampf gegen invasive Aliens

Ein Stich der Asiatischen  Riesenhornisse kann tödlich enden.
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Ein Stich der Asiatischen Riesenhornisse kann tödlich enden.

Gefahr durch gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten wird immer größer / Importstopp soll mit Grenzkontrollen durchgesetzt werden

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Die Gefahr ist so groß, dass die Brüsseler Kommission bereits über verschärfte Grenzkontrollen auch zwischen den Mitgliedstaaten nachdenkt. Rund 12 000 Pflanzen- und Tierarten sind dabei Europa zu erobern. Über 400 hat das Bundesamt für Naturschutz bereits in Deutschland ausgemacht. Mindestens 15 Prozent sind zerstörerisch oder gefährlich – einige sogar tödlich. Gestern befassten sich die Umweltminister der EU erstmals mit dem Vordringen der gebietsfremden Arten, die im offiziellen EU-Wortlaut „invasive Aliens“ heißen.

Dazu gehören die Asiatische Riesenhornisse oder die Asiatische Tigermücke, deren Stich im ungünstigsten Fall tödlich sein kann. Einige der Pflanzen wie der Japan-Staudenknöterich, die Späte Goldrute und der Riesen-Bärenklau sollen in Deutschland sogar mit einem Handelsverbot belegt werden. Händeringend bat das Bundesamt für Naturschutz die Bürger bereits, Wassergewächse wie den Großen Wassernabel oder Strauchpflanzen wie den Pontischen Rhododendron aus den Gärten und Teichen zu entfernen.

Längst geht es nach Angaben der EU-Kommission nicht mehr nur um die Erstickung der Artenvielfalt, sondern um handfeste wirtschaftliche Schäden. Der Japan-Staudenknöterich beschädigt Gebäude, der Signalkrebs gilt als Träger der Krebspest und vernichtet heimische Krebsarten. In Brüssel werden die Schäden für Landwirte, Haus-Besitzer und Sozialversicherungen durch Gesundheitsschäden bereits auf zwölf Milliarden Euro geschätzt. „Wenn wir jetzt nicht etwas tun, werden wir der Lage nicht mehr Herr“, warnen die Experten der EU.

Anders als Australien und Neuseeland, wo bereits seit längerem scharfe Gesetze gegen die Bio-Invasoren in Kraft sind, bewegt sich Europa erst langsam und spät. Da die Insekten und Gewächse an den Grenzen nicht Halt machen, sei ein gemeinsames Handeln der 28 EU-Länder nötig, betonten die Minister gestern in Brüssel.

Auf der Liste möglicher Aktionen stehen ein vollständiges Verbot von Einfuhr, Verkauf, Anbau, Zucht, Verwendung und Freisetzung – zumindest für die als besonders aggressiv geltenden Arten. Darüber hinaus sollen Grenzschützer einreisende Urlauber und Geschäftsleute gezielt durchsuchen. Ein EU-weites Überwachungssystem sei nötig. Die Mitgliedstaaten wurden aufgefordert, gegen bereits vorhandene Insekten oder Gewächse, die dieser Gruppe zuzuordnen sind, „konsequent vorzugehen“. „Noch stehen wir am Anfang der Ausbreitung“, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel. „Damit besteht die berechtigte Chance, mit relativ geringem Aufwand die Gefährdung durch eine vollständige Beseitigung frühzeitig abzuwehren“. Doch der Kampf müsse „sehr schnell aufgenommen werden“, betonten die Minister gestern in Brüssel. Allerdings werden sich die Beratungen über den Aktionsplan der EU-Kommission hinziehen. Neben den Umweltministern müssen auch die Europa-Abgeordneten noch entscheiden. Die aber werden im Mai nächsten Jahres erst neu gewählt, so dass mit einer gezielten Aktion der europäischen Mitgliedstaaten wohl erst 2016 begonnen werden kann.

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