Terrorfahndung in Deutschland : „Es ist ein beklemmendes Gefühl“

<p>Ein Mann wird am 17 November in Alsdorf bei Aachen von der Polizei festgenommen. Nun führt die Spur der Terroristen von Paris auch nach Deutschland.</p>

Ein Mann wird am 17 November in Alsdorf bei Aachen von der Polizei festgenommen. Nun führt die Spur der Terroristen von Paris auch nach Deutschland.

Sein Bruder war einer der Selbstmordattentäter von Paris. Die Polizei fahndet nach dem 26-jährigen Salah Abdeslam. Sieben Festnahmen bei Aachen, der Gesuchte ist jedoch nicht dabei.

svz.de von
17. November 2015, 18:28 Uhr

Syrien, Paris, Alsdorf-Schaufenberg bei Aachen. Die Menschen in dem Viertel trifft die Terrorfahndung vor der eigenen Haustür aus dem Nichts: Mannschaftswagen mit abgedunkelten Scheiben fahren vor, dahinter Notarzt- und Krankenwagen. Dahinter sperrt ein Auto ohne Aufhebens die kleine Durchgangsstraße. Plötzlich stehen Polizisten mit heruntergezogenen Sturmhauben und Maschinenpistolen in den Händen auf der Straße. Die SEK-Leute agieren schnell, still, unauffällig. Sie setzen offensichtlich auf das Überraschungsmoment.„Gehen sie rein“, sagt ein SEK-Mann einem Anwohner, der gerade ahnungslos aus dem Haus will.

Am Morgen hat die Polizei vor dem Jobcenter in Alsdorf zwei Frauen und einen Mann mit ausländischen Pässen festgenommen. Nach einem Zeugenhinweis soll die Polizei die Drei zuerst observiert haben. Dann griffen sie vor dem Jobcenter zu. Diese Aktion am Morgen war offensichtlich so unauffällig, dass bis zum Mittag nichts davon an die Öffentlichkeit drang. Stunden danach stand die Identität noch nicht fest, die Vernehmungen liefen.

Schon zu dieser Zeit bereitete die Polizei ihren zweiten Schlag vor: Die Polizei vermutete, dass sich der mit Haftbefehl gesuchte 26-jährigen Salah Abdeslam, einen Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, ebenfalls noch in Alsdorf aufhalten könnte. Ins Visier der Polizei rückte ein Wohnhaus in Alsdorf-Schaufenberg. Ein Mehrfamilienhaus mit fast nur ausländischen Namen auf den Klingelschildchen, wie eine Frau sagt.

Die Polizei nimmt bei dem Einsatz vier Personen fest. Zwei hatten sich wohl auf dem Speicher versteckt und wurden erst später gefunden. Abdeslam ist nicht darunter.

Der SEK-Einsatz geht so unauffällig zu Ende, wie er begann: Keine Schüsse, keine Sprengung. Die bewaffneten SEK-Beamten verschwinden in dunklen Mannschaftswagen, die Straße nach vielleicht einer viertel Stunde ohne Aufhebens wieder verlassen. Anwohner schauen ihnen hinter Fenstern nach.

Zurück bleiben die Menschen in dem Viertel, zum Teil bedrückt, vielleicht auch verstört. „Ich arbeite in einem Betrieb mit vielen Menschen aus anderen Ländern“, sagt die 35-jährige Katharina. Ihre Unbefangenheit hat gelitten. „Es ist ein beklemmendes Gefühl“, sagt sie.

Bereitschaftspolizei sperrt noch Stunden nach dem Einsatz die Straße zu dem Einsatz-Haus ab. Die Ermittlungen laufen weiter. Ein junges Paar strandet an der Absperrung, wie später auch noch andere Menschen, die hier in dem Viertel leben: Deutsche und Menschen anderer Nationalitäten, wie einer erzählt. Es wäre übertrieben zu sagen, dass man sich kennt, meint er. „Man kommt miteinander aus“, sagt er.

Das Paar kommt vom Einkaufen. Die 36-jährige Cindy ist schwanger.„Ich bin geschockt“, sagt sie. Und ihr Gesichtsausdruck beweist, dass das keine leere Phrase ist. „Man hat sich wohl und sicher hier gefühlt. Und jetzt kommt es immer näher“, sagt ihr 36 Jahre alter Partner. Und man weiß, was er meint.

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