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Bluttat in Hamburg : Erstochenes Opfer kam aus MV

vom
Aus der Onlineredaktion

Bundesanwaltschaft prüft terroristischen Hintergrund

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Auf den ersten Blick erinnert an diesem Montagmorgen nichts mehr an die Bluttat in dem Edeka-Markt im Hamburger Stadtteil Barmbek. Kunden schieben ihre Einkaufswagen durch den Laden, eine Verkäuferin bedient an der Käsetheke. Aber etwas ist anders: In der Haushaltswaren-Abteilung sind auf Bitte der Mitarbeiter alle Messer weggeräumt. Der Täter hatte sich am Freitag aus diesem Regal ein 20 Zentimeter langes Messer geschnappt und seine Opfer unvermittelt damit attackiert. Ein Mann wurde tödlich verletzt. Er stammte aus Mecklenburg-Vorpommern, wie gestern erst bekannt wurde.

Über die Identität des Getöteten wussten die Ermittler unmittelbar nach der Tat zunächst nur wenig. „Aufgrund der aufgefundenen Ausweispapiere wird zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass es sich bei der getöteten Person um einen 50-jährigen Deutschen handelt“, hieß es in einer Pressemitteilung der Polizei von 20.30 Uhr. Knapp vier Stunden machten sich Polizeibeamte im 217 Kilometer entfernten Neubrandenburg auf den Weg, um eine traurige Nachricht zu überbringen.

Das tödlich verletzte Opfer stammte ursprünglich aus der Vier-Tore-Stadt. Nach Angaben der Hamburger Morgenpost war der Diplomingenieur und Betriebswirt Jochen F.* vor 14 Jahren berufsbedingt in die Hansestadt gezogen und arbeitete zuletzt in einem Technologiezentrum. Er wohnte nur sieben Gehminuten vom Lebensmittelgeschäft entfernt. Seine Eltern leben nach wie vor in Neubrandenburg. Sie wurden nach Informationen unserer Zeitung von Polizeibeamten kurz nach Mitternacht über den Tod ihres Sohnes informiert und nach der Schocknachricht von einem Seelsorger betreut.

In einem an der Eingangstür der Supermarkt-Filiale in Hamburg-Barmbek angebrachten Schreiben bat das Unternehmen, von Fragen an Mitarbeiter sowie Kunden in Zusammenhang mit der Tat abzusehen. Sie brauchten Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, sagte Unternehmenssprecher Gernot Kasel. Allen Mitarbeitern sei psychologische Unterstützung angeboten worden, einige hätten das auch schon in Anspruch genommen. „Wir sind nach wie vor erschüttert über diese schreckliche Tat. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen“, sagt Kasel weiter. Seit Freitag war unklar: Ist die Messerattacke die spontane Tat eines psychisch labilen Mannes – oder ein islamistischer Anschlag? Gestern erhärtete sich nun die zweite These.

Die Bundesanwaltschaft hat „wegen der besonderen Bedeutung des Falles“ die Ermittlungen gegen den Messer-Attentäter von Hamburg übernommen. Die Bundesanwaltschaft verfolgt Straftaten gegen die innere und äußere Sicherheit. Ein wichtiger Bereich ist der Terrorismus. Und im Fall der Messerattacke von Hamburg liege ein radikal-islamischer Hintergrund nahe, teilte die Behörde gestern mit.

Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft des Täters in der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) oder einer anderen Gruppierung gibt laut Bundesanwaltschaft es derzeit nicht – auch nicht dafür, dass es Kontakte oder eine Einflussnahme gab. Der 26-jährige Angreifer habe sich aber wohl selbst radikalisiert, teilt die Behörde mit. Die Ermittler hätten auch keine Hinweise auf andere Tatbeteiligte oder Hintermänner. Der Mann habe sich „zwei Tage vor der Tat“ für eine islamistische Lebensweise entschieden und „am Tattag selbst“ den Entschluss zu dem Attentat gefasst, bei dem ein Mensch getötet und sieben weitere Personen verletzt wurden. Er sitzt seit dem Wochenende wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

*Name geändert

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