Wirtschaft : Erneut sattes Plus für Rentner

„Bessere Renten“:  Gute Nachrichten für deutsche Ruheständler
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„Bessere Renten“: Gute Nachrichten für deutsche Ruheständler

Plus 3,37 Prozent im Osten: Bis 2025 sollen die Menschen in ganz Deutschland die gleiche Rente beziehen

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20. März 2018, 20:30 Uhr

Gute Nachrichten für rund 20 Millionen Rentner in Deutschland. Auch in diesem Jahr können sie sich über ein deutliches Plus freuen. So steigen die Renten im Westen um 3,22 Prozent, im Osten werden es sogar 3,37 Prozent mehr sein. Die Erhöhung soll zum 1. Juli erfolgen. „Auch in diesem Jahr führen die gute Lage am Arbeitsmarkt und die Lohnsteigerungen der Vergangenheit zu besseren Renten“, erklärte der neue Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) gestern. Allerdings kommt das Plus nicht vollständig an. Mehr Netto für Rentnerinnen und Rentner in Deutschland? Hintergründe zur Rentenerhöhung von Andreas Herholz.

Wie sehr steigen die Renten in diesem Jahr?

Die Bezüge werden um 3,22 Prozent im Westen und 3,37 Prozent im Osten erhöht. Im vergangenen Jahr waren es noch 1,9 Prozent im Westen und 3,59 Prozent im Osten. Damit erreicht der Rentenwert in den neuen Ländern inzwischen 95,8 Prozent des Westniveaus (bisher 95,7 Prozent). Eine vollständige Angleichung soll bis Ende 2024 erreicht werden. Die Rentenerhöhung wird aus den Mitteln der gesetzlichen Rentenversicherung und gegebenenfalls aus der Rücklage finanziert. Der Rentenbeitrag von 18,6 Prozent werde bis mindestens 2021 stabil bleiben, heißt es.

Warum steigen sie deutlicher als 2017?
Grundlage für die Rentenerhöhungen ist insbesondere die Lohnentwicklung im Vorjahr. Bei den Löhnen gab es ein Plus von 2,93 Prozent im Westen und 3,06 Prozent im Osten. In die Berechnung fließen aber auch das zahlenmäßige Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern und die Entwicklung des Beitragssatzes ein.

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Wie wirkt sich die Erhöhung konkret aus?
Das richtet sich nach den individuellen Rentenansprüchen. So erhöht sich beispielsweise eine monatliche Rente von 1000 Euro, die ausschließlich auf West-Beiträgen beruht, im Zuge der Anpassung in diesem Jahr um 32,20 Euro. Im Osten steigt die Rente von 1000 Euro um 33,70 Euro.

Bleibt unterm Strich mehr Geld übrig?
Bei der Rente ist Brutto nicht gleich Netto. Auch Rentnerinnen und Rentner zahlen Sozialabgaben, so etwa den vollen Beitrag der Pflegeversicherung, aber auch für die Krankenversicherung. Nach einer Prognose des Bundesfinanzministeriums werden in diesem Jahr 5,6 Millionen Rentner zudem Steuern zahlen müssen. 2017 waren es noch 4,4 Millionen. Wie hoch der Anteil ihrer Altersbezüge ist, der versteuert werden muss, hängt vom Renteneintrittsjahr ab. Unabhängig davon gilt: Jede Rentenerhöhung wird zu 100 Prozent versteuert. Und schließlich mindert die Inflation die Kaufkraft der Rentner. Sie dürfte laut Expertenschätzungen in diesem Jahr rund 1,7 Prozent erreichen.

Wie sind die Aussichten für das nächste Plus?
In ihrem Rentenversicherungsbericht hatte die Bundesregierung prognostiziert, dass die Renten bis 2030 um circa 35 Prozent steigen würden – im Schnitt um 2,1 Prozent pro Jahr. Das Sozialministerium rechnet damit, dass das Rentenniveau früher sinken könnte als bisher angenommen. So müsse davon ausgegangen werden, dass das Niveau nicht erst 2025, sondern bereits zwei Jahre früher unter die Marke von 48 Prozent fallen werde, hieß es zuletzt in einer Antwort des Ministeriums.

Kommentar von Marion Trimborn: Scheck auf die Zukunft

Natürlich ist es eine gute Nachricht, dass die Renten steigen. Doch die Frage bleibt: Wie lange noch? Das Zwischenhoch darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rente der Zukunft keineswegs sicher ist.

Im Moment sorgen steigende Löhne, niedrige Arbeitslosigkeit und robuste Konjunktur für volle Rentenkassen. Doch die Rentenkasse kann schon 2025 unter Druck geraten, wenn die starken Jahrgänge nach und nach in Rente gehen.
Dann müssen Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen.

Man darf nicht vergessen, dass die Rentenerhöhung Milliarden kostet und ein Scheck auf die Zukunft ist. Geld, das bald fehlen wird. Schon in den nächsten Jahren werden andere Themen in den Fokus rücken, etwa die wachsende Altersarmut, weil viele Menschen in Niedriglohn-Jobs arbeiten. Dann müssen Tabus fallen. So ist eine flexible Altersgrenze je nach Beruf nötig. Was spricht dagegen, dass ein 65-Jähriger, der noch fit ist und im Büro arbeitet, bis 70 weitermacht, wenn er das möchte?

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