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Richard von Weizsäcker : „Er wollte die innere Einheit Deutschlands stärken“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit Professor Friedbert Pflüger, früherer Redenschreiber und Sprecher von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, sprach Andreas Herholz.

von
erstellt am 01.Feb.2015 | 19:30 Uhr

Was haben Deutschland und die Deutschen Richard von Weizsäcker zu verdanken?
Pflüger: Er war ein großer Deutscher. Er hat uns in schwierigen Phasen deutscher Geschichte Orientierung gegeben und dazu beigetragen, dass bei allem notwendigen Parteienstreit auch das Gemeinsame nicht in Vergessenheit gerät, sondern bewahrt wird. Vor allem steht da seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985. Er hat damit ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die große Mehrheit der Deutschen der schrecklichen Wahrheit des Nationalsozialismus ungeschminkt ins Gesicht gesehen hat.
Seine Präsidentschaft nur auf die Rede zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Was waren die bedeutenden Themen darüber hinaus?
Im Mittelpunkt stand das Wirken für die Versöhnung mit den Opfern und den Völkern, die unter Nazi-Deutschland gelitten haben. Das zweite wichtige Thema war die Identität der Deutschen und das Zusammenfinden der Deutschen aus Ost und West. Richard von Weizsäcker hat sich auch vor 1989 und dem Fall der Mauer als Präsident aller Deutschen verstanden. Er hat sich wie kein Zweiter dafür eingesetzt, dass die deutsche Teilung überwunden wird. Und drittens: Er hat oft unter der Art und Weise gelitten, wie Parteien bei uns ihren Streit ausfechten. Dass zu einer lebendigen Demokratie auch Kontroversen gehören, hätte er nie bestritten. Ihn störte oft der Umgang der Parteien mit den Problemen und Themen, die dort nicht immer um ihrer Lösung willen diskutiert wurden, sondern um sie zum Machterhalt zu instrumentalisieren. Wenn er das spürte, erhob er seine Stimme. Gerade auch deshalb war er im Volk ein beliebter Präsident, aber er war nicht jedermanns Liebling und kein Kumpeltyp. Er hatte auch Gegner. Er war nicht nur ein großartiges Staatsoberhaupt, sondern auch ein wunderbarer Mensch.
Von Weizsäcker hat immer wieder daran erinnert, dass die deutsche Frage offen sei, solange das Brandenburger Tor geschlossen sei...
Daran hat er auch noch erinnert, als sich viele bereits mit der deutschen Teilung abgefunden hatten. Für ihn war die deutsche Frage nicht in erster Linie eine territoriale Frage, sondern eine Frage der Freiheit. Ob als Regierender Bürgermeister von Berlin vor dem Fall der Mauer oder als Bundespräsident auch nach dem Mauerfall – er hat Anteil genommen am Schicksal der Menschen im Osten Deutschlands. Er wollte die innere Einheit Deutschlands stärken.

 

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