Verhandlungsmarathon : Einigung bei Metallern

Handschlag nach Abschluss der Verhandlungen: IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger (l.) und Südwestmetall-Chef Stefan Wolf.
Handschlag nach Abschluss der Verhandlungen: IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger (l.) und Südwestmetall-Chef Stefan Wolf.

Mehr Geld, flexiblere Arbeitszeiten: Komplexer Tarifabschluss im Südwesten öffnet neue Wege

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06. Februar 2018, 21:00 Uhr

Mehr Geld, eine lange Laufzeit und ein Kompromiss in der umstrittenen Arbeitszeitfrage: Nach einem erneuten Verhandlungsmarathon von 13 Stunden haben sich die Tarifparteien der Metall- und Elektrobranche in Baden-Württemberg auf einen Abschluss verständigt.

Eine Laufzeit von 27 Monaten, 4,3 Prozent mehr Geld, dazu jährliche Einmalzahlungen – das ist nur ein Teil des nun vorliegenden Pilotabschlusses. Die Beschäftigten können darüber hinaus künftig für bis zu zwei Jahre ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden absenken. Im Gegenzug dürfen Betriebe dann mit mehr Beschäftigten als bisher 40-Stunden-Verträge abschließen. Nach den Worten von Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger kann der Anteil der Beschäftigten, die länger als 35 Stunden arbeiten, deutlich ausgeweitet werden, in bestimmten Fällen auf bis zu 50 Prozent. „Damit wird nicht nur das durch Teilzeit entfallende Arbeitsvolumen ausgeglichen, sondern die Kapazitäten können bei Bedarf insgesamt erweitert werden.“

Die Vier vor dem Komma schmerze aber, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. Immerhin habe man aber mit der langen Laufzeit von 27 Monaten für Planungssicherheit gesorgt. „Ich glaube, das neue Tarifsystem ist vernünftig ausbalanciert.“ Allerdings werde nicht nur die Höhe des Abschlusses, sondern auch seine Komplexität für viele Betriebe schwer zu tragen sein.

„Wir haben um jedes Detail hart gerungen“, bilanzierte auch IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger. Die Gewerkschaft hat durchgesetzt, dass die Beschäftigten zusätzlich zur Entgelt-Erhöhung von 4,3 Prozent ab April 2018 für die Monate Januar bis März 2018 eine Einmalzahlung von 100 Euro erhalten. Außerdem gibt es von 2019 an jährlich ein neues tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens sowie einen Festbetrag von 400 Euro. Letzterer – das haben die Arbeitgeber durchgesetzt – kann in wirtschaftlich schweren Zeiten gesenkt oder gestrichen werden.

Auch ein besonders strittiger Punkt wurde schließlich geklärt: die Forderung der IG Metall, dass bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder im Falle einer Arbeitszeitreduzierung einen Zuschuss für entgangenen Lohn erhalten sollen. Sie können nun statt dem für alle vereinbarten tariflichen Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatsgehalts acht freie Tage wählen.

„Wir haben heute den Grundstein für ein flexibles Arbeitszeitsystem für das 21. Jahrhundert gelegt“, sagte Dulger. Die schmerzhafte Kostenbelastung spiegele die im Schnitt gute wirtschaftliche Lage der Branche. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sah den Tarifabschluss als einen „Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt“. Viel zu lange sei Flexibilität bei der Arbeitszeit ein Privileg der Arbeitgeber gewesen.

Alexia Angelopoulou, Uwe Westdörp

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