MV-Soldaten nach Mali : Eine gefährliche Mission

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Kabinett will Entsendung von 650 Soldaten in den Norden Malis beschließen – 40 von ihnen kommen aus Hagenow

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06. Januar 2016, 08:00 Uhr

Die Bundesregierung will heute die Entsendung von bis zu 650 Soldaten in den Norden Malis beschließen, der von islamistischen Rebellen terrorisiert wird. Zu diesem Kontingent werden voraussichtlich auch Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern gehören. Wie unsere Redaktion aus Bundeswehrkreisen erfuhr, ist geplant, 40 Soldaten aus dem Panzergrenadierbataillon 401 in Hagenow als Schutzzug in die afrikanische Krisenregion zu schicken. Sie sollen die deutschen Ausbilder schützen, die die malischen Soldaten für den Einsatz gegen islamistische Gruppen trainieren.


Nur noch 21 Soldaten aus MV im Kosovo


Die Zahl der Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern, die an Auslandseinsätzen der Bundeswehr beteiligt sind, hat sich in den zurückliegenden Monaten deutlich reduziert. Nur noch 21 Bundeswehrangehörige aus dem Nordosten unterstützen derzeit das deutsches Kfor-Kontingent bei seinen Aufgaben im Kosovo. 15 von ihnen haben ihren ursprünglichen Dienstort in Hagenow, teilte die Bundeswehr auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Zum Jahresende war das Bundeswehrkontingent aus Teilen der Flugabwehrraketengruppe 24 in Bad Sülze und aus der benachbarten Gruppe 21 in Sanitz von seiner Mission im türkischen Kahramanmaras zurückgekehrt. Ihre Aufgabe bestand darin, den Luftraum des türkischen Nato-Partners vor Angriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien zu schützen.

Am Horn von Afrika ist derzeit der Korvette „Erfurt“ aus Warnemünde im Einsatz. Das Kriegsschiff beteiligt sich an der europäischen Atalanta-Mission zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. Ebenfalls vom Marinehafen Hohe Düne aus ist das Schnellboot „Hyäne“ mit 41 Soldaten an Bord vor der libanesischen Küste unterwegs. Das Schiff soll im Rahmen der Unifil den Waffenschmuggel vor dem Libanon verhindern.


72 Blauhelmsoldaten seit März 2013 getötet


In Afghanistan sind derzeit keine Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern stationiert. Seit 14 Jahren gilt das Land am Hindukusch als gefährlichster Einsatz der Bundeswehr. Das könnte sich allerdings bald ändern. Das Interesse für Mali und die Sicherheitslage dort wird in Deutschland wohl bald deutlich steigen. Bisher sind nur zehn deutsche UN-Soldaten in der Hauptstadt Bamako stationiert. Weitere 235 Soldaten bilden im relativ sicheren Süden des Landes im Rahmen einer EU-Ausbildungsmission die malischen Streitkräfte aus. Jetzt geht es erstmals in den Norden. Das Wüstengebiet war 2012 für wenige Monate unter die Kontrolle von islamistischen und Tuareg-Rebellen geraten, bevor die frühere Kolonialmacht Frankreich intervenierte. Aufgabe ist es nun, die Durchsetzung eines Friedensabkommens zwischen der Regierung in Bamako und den verschiedenen Rebellengruppen zu unterstützen.

Das wird deutlich anspruchsvoller als das, was die Bundeswehr bisher in Mali macht. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, warnt bereits: „Das ist eine gefährliche Mission, vergleichbar mit Afghanistan zur Zeit des Kampfeinsatzes der Nato.“ Vergleichbar ist vor allem, dass die ausländischen Truppen von Rebellen angefeindet und angegriffen werden. 72 Blauhelmsoldaten wurden seit März 2013 getötet.

Der Unterschied liegt darin, dass die Bundeswehr in Mali keinen Auftrag hat, die Rebellen offensiv zu bekämpfen. Dafür gibt es die getrennte Mission „Barkhane“ der französischen Streitkräfte. So war das in Afghanistan anfangs allerdings auch. Die Bundeswehr verstand sich im Rahmen der Nato-Mission Isaf als Friedenstruppe. Und dann gab es noch die von den USA geführte offensive Anti-Terror-Mission „Enduring Freedom“. Aus Isaf wurde in den Jahren 2009 bis 2012 auch in dem einst relativ ruhigen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr ein offensiver Kampfeinsatz mit stundenlangen Gefechten und Sprengstoffanschlägen. 55 deutsche Soldaten kamen ums Leben. Insgesamt wurden in Afghanistan 3500 Soldaten der internationalen Truppen getötet.


Man wird auf Kämpfe vorbereitet sein


Seit einem Jahr ist der Nato-Kampfeinsatz beendet, die Bundeswehr ist nun nur noch zur Ausbildung und Beratung am Hindukusch. Jetzt könnte Mali zum gefährlichsten Einsatz deutscher Soldaten werden. Die Bundeswehr wird in Gao stationiert. Der Ort mit seinen knapp 100 000 Einwohnern war zwischen Mitte 2012 und Anfang 2013 die Hauptstadt des Rebellenstaats „Azawad“. Die deutschen Soldaten werden vor allem für Aufklärung zuständig sein, sich aber auch selbst gegen Angriffe schützen. Es wird das sein, was man einen „robusten Einsatz“ nennt. Das heißt übersetzt: Man wird auf Kämpfe vorbereitet sein. „Es ist wichtig, dass man da gut ausgerüstet hingeht. Ich würde empfehlen, sich dort stark aufzustellen“, mahnt Bartels.


Ministerin löst Versprechen ein


Der Einsatz hat sicherheitspolitisch eine große Bedeutung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat vor zwei Jahren bei einem Besuch in New York versprochen, dass sich Deutschland stärker an UN-Missionen beteiligen wird. Das löst sie nun ein. Außerdem gilt Mali der Bundesregierung als Beweis, dass Deutschland bereit ist, mehr Verantwortung in der Welt zu übernehmen – auch in Afrika.

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