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Hilfe für Syrien : Eine Botschaft der Hoffnung

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Londoner Konferenz für die Opfer des syrischen Bürgerkrieges: Die Welt gibt mehr als neun Milliarden Euro

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 21:58 Uhr

Die Weltgemeinschaft hat sich auf umfassende Hilfen für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs verständigt und will dafür deutlich mehr als neun Milliarden Euro bereit stellen. Mehr als die Hälfte davon solle kurzfristig zur Verfügung stehen, teilten die Gastgeber der Londoner Geberkonferenz für Syrien und die Region mit. „Das ist ein wichtiges Signal“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Es bedeutet, dass die Arbeit sofort beginnen kann.“

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert fast fünf Jahre an, mehr als 250 000 Menschen starben. Millionen Syrer flohen ins Ausland.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte das Ergebnis gestern als „großartigen Erfolg“. Noch nie sei an einem Tag so viel Geld für eine einzelne Krise eingesammelt worden. Ein Durchbruch sei, dass Syriens Nachbarstaaten Türkei, Libanon und Jordanien ihren Arbeitsmarkt für Flüchtlinge öffnen. Das bedeute „nicht nur Nahrung für heute, sondern Hoffnung für morgen“.

Deutschland will bis 2018 2,3 Milliarden Euro zahlen, davon 1,2 Milliarden in diesem Jahr. Ein großer Teil geht an das Welternährungsprogramm. Es sei unerträglich, dass Lebensmittelrationen in Flüchtlingslagern gekürzt werden mussten, weil Staaten ihre Zusagen nicht eingehalten hatten, sagte Merkel. Für die Kanzlerin und die anderen Europäer geht es auch darum, die Versorgung der Syrer in der Region zu sichern, damit sie sich nicht auf den Weg nach Europa machen. Neben Nahrungsmitteln und medizinischen Gütern sollen die Milliardenhilfen auch Schul- und Ausbildung für junge Flüchtlinge sichern und Arbeitsplätze für sie in den Nachbarstaaten schaffen.

Deutlich mehr als vier Millionen Syrer haben vor allem im Libanon, in Jordanien und der Türkei Schutz gesucht. Die EU werde alles daran setzen, auch die Exportbedingungen aus diesen Ländern zu verbessern, um dort Jobs zu schaffen, sagte Merkel.

EU-Ratspräsident Donald Tusk kündigte an, dass die EU 2016 mehr als drei Milliarden Euro für Syrien, Jordanien, den Libanon und die Türkei zur Verfügung stellen.

Während die Staaten in London berieten, machten sich nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu Zehntausende aus Lagern in Nordsyrien auf den Weg in die Türkei. Wenn wichtige Nachschubrouten der Rebellen von der Türkei nach Aleppo nicht freigegeben würden, drohe dort eine Katastrophe. „Niemand wird dann die Opposition dazu bewegen können, an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, mahnte Davutoglu.

Kommentar von Rasmus Buchsteiner: Warum erst jetzt?

Bei der Syrien-Geberkonferenz in London haben sich die Teilnehmernationen zusammengerauft und ihre Finanzzusagen deutlich erhöht. Sechs Milliarden Euro in diesem Jahr für Nothilfe, für Unterbringung und Versorgung in den Flüchtlingslagern der Region – ein beachtliches Ergebnis, auch wenn der Bedarf sehr viel höher sein dürfte.

Viel zu spät ist die Weltgemeinschaft aufgewacht und sich ihrer Verantwortung bewusst geworden. London war ein Schritt nach vorn.

Doch fragt sich, warum manche Nationen angesichts des Leids und des andauernden Blutvergießens in Syrien mit ihren Hilfszusagen so lange so zurückhaltend gewesen sind. Gerade die reichen Golfstaaten wären gefordert, sich stärker zu engagieren. Gleiches gilt auch für Russland und den Iran, die das Assad-Regime bis heute politisch und militärisch unterstützen.

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