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Was ist ein guter Vater? : Ein unerreichbares Ideal

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Deutschlands Papas zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Arbeit und Kindererziehung.

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 11:30 Uhr

Sie wickeln, sie füttern, nehmen so häufig Elternzeit wie nie zuvor und sorgen weiter hauptsächlich für das Einkommen der Familie: Deutschlands Väter schwanken zwischen der traditionellen Rolle des Ernährers und dem Idealbild eines präsenten Vaters, zwischen Verantwortung zu Hause und im Job. Was ist ein guter Vater? „Er verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Kindern“, antworteten 81 Prozent der Väter in einer gestern in Berlin vorgestellten Forsa-Umfrage für die Zeitschrift „Eltern“. 61 Prozent sind der Meinung, ein guter Vater sorge mit seinem Einkommen dafür, „dass es der Familie gut geht“. Deutschlands Papas zwischen Anspruch und Wirklichkeit, doch belegt die Studie, für die mehr als 1000 Väter und Stiefväter zwischen 20 und 55 Jahren befragt wurden, deutliche Veränderungen. „Der moderne Vater bringt sich viel stärker ein als in der Generation davor, arbeitet aber meist Vollzeit und wünscht sich viel Zeit für die Familie. Er will weder im Beruf noch in der Familie zurückstecken", so ein Fazit der Untersuchung.

Väter standen lange Zeit nicht im Fokus der Familienforschung und familienpolitischer Debatten. In der Politik machen zunehmend Männer Schlagzeilen, die sich zeitliche Spielräume für die Familie nehmen – allen voran SPD-Chef Sigmar Gabriel, der sich auch als Vizekanzler den Mittwochnachmittag freihalten will, um Töchterchen Marie von der Kita abzuholen. Und selbst bei der Bundeswehr geht es nun um Tagesmütter und Teilzeit.

Immer häufiger ist inzwischen von den „neuen Vätern“ die Rede. Das 2007 eingeführte Elterngeld samt der anfangs als „Wickelvolontariat“ verspotteten Vätermonate erfreuen sich wachsender Beliebtheit – auch das belegt die neue Studie. Von den Vätern mit Kindern unter sechs Jahren haben bereits 44 Prozent schon einmal Elternzeit genommen. 35 Prozent beließen es jedoch bei der „Schnuppervariante“ von nicht mehr als zwei Monaten. Den Vätern von heute ist daran gelegen, möglichst viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen – drei von fünf Papas von unter Dreijährigen sind an Wochentagen mehr als zwei Stunden mit ihren Kindern zusammen. Doch halten die meisten dies für zu wenig.

So ganz glücklich sind Deutschlands Männer denn auch nicht angesichts ihrer Doppelrolle in Beruf und Familie. Zwar geben 65 Prozent der Väter an, ihr Leben sei durch ihre Kinder glücklicher und erfüllter geworden. 66 Prozent klagen jedoch über weniger Sex mit ihrer Partnerin, 39 Prozent über fehlende Zeit für sich selbst und 30 Prozent über mehr Streit zu Hause als früher. Trotz Babyglück – der Alltag mit Kindern bleibt voller Probleme.

Je länger die Geburt zurück liegt, desto wichtiger wird für Väter wieder die Rolle des Familienernährers. Neun von zehn Vätern in Deutschland arbeiten Vollzeit, nur vier Prozent arbeitet in Teilzeit-Jobs, ein Drittel wünscht sich ein Teilzeit-Modell. Keine Lust auf die 32-Stunden-Woche, die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ins Gespräch gebracht hatte?

Familienforscher Thomas Gesterkamp sieht in der Wirtschaft zwar Ansätze für flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Aber unter den Chefs dominierten immer noch so genannte „Dinosaurier Dads“ mit traditioneller Rollenverteilung zu Hause. Von ihnen würden „junge aktive Väter“, die andere Prioritäten setzen und ihre Arbeitszeit reduzieren wollten, häufig einen „Edeka-Vermerk“ erhalten: „Ende der Karriere“.

Tatsächlich ist die Angst vor Nachteilen im Job durch Übernahme familiärer Verantwortung bei Männern sehr ausgeprägt: 41 Prozent der angestellten Väter gehen jedenfalls davon aus, dass sich Elternzeit sehr oder eher negativ auf die eigene Karriere auswirken könnte.



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