DDR-Politiker Hans Modrow : Ein Sozialist will seine Akten

Hans Modrow
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Hans Modrow wird heute 90 Jahre alt und kämpft um sein Recht auf Unterlageneinsicht.

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27. Januar 2018, 05:00 Uhr

Rund 70 Jahre lang hat sich Hans Modrow politisch engagiert – davon 40 Jahre in der DDR. Der Sozialismus in der DDR scheiterte, doch für seine Grundüberzeugung setzt sich der Pensionär und letzte DDR-Ministerpräsident der Staatspartei SED noch heute ein. „Der Sozialismus zum Beispiel chinesischer Prägung ist nicht nur eine Vision oder ein Traum, sondern eine Realität“, sagt derWirtschafts- und Sozialwissenschaftler wenige Tage vor seinem heutigen 90. Geburtstag.

„Die globale Welt, so wie sie jetzt ist, wird nicht so weiter leben“, sagt er. Mit der Klimakatastrophe, der Ausbeutung der Ressourcen und der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich – „diese Gegensätze könnten explodieren, es werden soziale Kämpfe entstehen“. Modrow hat im 20. Jahrhundert viel erlebt. Von der Nazi-Herrschaft über die Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion bis zu seinem Aufstieg in die Führungselite und kurz nach dem Fall der Mauer ins höchste Regierungsamt der DDR – wenn auch nur fünf Monate lang. Bei der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 verlor die SED ihre unumschränkte Macht. Später saß er im Bundestag (1990–1994) und im Europäischen Parlament (1999–2004).

Am Ende stellte Modrow fest, dass er fast sein ganz aktives politisches Leben von Geheimdiensten in West und Ost überwacht wurde. Sein jetzt schon knapp fünf Jahre währender Kampf, Einblick in seine Akten zu erhalten, ist in dem gerade erschienenen Buch dokumentiert: „Ich will meine Akte“, Untertitel: „Wie westdeutsche Geheimdienste Ostdeutsche bespitzeln“.

Der Autor dieser Dokumentation ist Robert Allertz in der für ähnliche Publikationen bekannten „edition ost“ (Eulenspiegel Verlagsgruppe). Auf 220 Seiten wird der Schriftwechsel Modrows mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), dem Bundesnachrichtendienst (BND), dem Bundesinnenministerium, dem Bundeskanzleramt und der Stasi-Unterlagenbehörde sowie der sowjetischen Botschaft aufgelistet.

Der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bestätigte Modrow 2013 schriftlich, dass das BfV ihn von 1965 bis 2012 überwachte. Durch eine Kleine Anfrage der Linke-Fraktion kam 2014 heraus, dass der Verfassungsschutz Modrow bereits seit 1951 überwachte. Doch viel mehr erfuhr dieser nicht. Friedrich teilte ihm mit, da die zu Modrow erhobenen Informationen als „zeitgeschichtlich bedeutsam“ eingestuft wurden, sollen seine Akten ans Bundesarchiv abgegeben werden. Dadurch seien sie gesperrt. Trotz zahlreicher Briefe und Anfragen seines Rechtsanwaltes hat Modrow bis heute nur öffentlich zugängliche Informationen erhalten.

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