zur Navigation springen

Hartz-IV-Empfänger : Ein Recht auf Urlaub?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Linken-Forderung nach Gratisferien für arme Kinder stößt auf Zustimmung und Kritik / Kinderschutzbund unterstützt Gutscheinmodell

Gibt es ein Recht auf Urlaub? In Ferienzeiten will das kaum ein Politiker bestreiten, zumal wenn es um Kinder geht. Und so ist die Forderung der frisch aus Frankreich zurückgekehrten Linken-Chefin Katja Kipping nach Urlaubsgeld für Hartz-IV-Empfänger im sommerlichen Berlin auf ein positives Echo gestoßen.

Kein Kind dürfe ausgeschlossen bleiben, weil es kein Geld habe, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Der Dachverband fordert, dass arme Kinder für Aufenthalte in Ferienlagern oder Freizeitheimen nichts bezahlen müssen. „Es geht nicht nur um Erholung, es geht um Pädagogik, um Gruppenerfahrung und darum, dazuzugehören und gemeinsam etwas zu vollbringen“, sagte Schneider.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, plädiert für kostenlosen Erholungsurlaub für Kinder. „Wir unterstützen die Forderung nach Gutscheinen für sozial schwache Familien und Kinder für kostenlose Erholungsangebote“, so Hilgers.

Auch die CDU will da nicht zurückstehen: Grundsätzlich ist es wichtig, dass Kinder aus sozial und finanziell schwachen Familien ausreichend Erholung auch von ihrem schwierigen Lebensumfeld bekommen“, sagte der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Marcus Weinberg. „Wenn es einen Bedarf gibt, dann sollten wir den Kindergeldzuschlag bei Hartz IV erhöhen. Das wäre der einzig gangbare Weg“, sagte Paul Lehrieder, der CSU-Vorsitzende des Familienausschusses. Den Vorschlag der Linken, Urlaubsgeld für alle Hartz-IV-Empfänger zu zahlen, nannte er allerdings eine „sozialistische Beglückung“. Die SPD kann sich ebenfalls mehr Förderung für den Familienurlaub vorstellen. „Auch Familien mit geringem Einkommen sollten die Möglichkeit haben, Urlaub zu genießen“, sagte der familienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sönke Rix.

An der Umsetzung des Vorstoßes der Linken scheiden sich aber die Geister. Linken-Chefin Kipping würde den Bedürftigen am liebsten direkt Gutscheine an die Hand geben, die diese dann in Jugendherbergen, bei der Bahn oder im Reisebüro einlösen könnten. 500 Euro pro Jahr wären ihr zufolge ein angemessener Betrag. Der Paritätische Gesamtverband lehnt den Urlaubsscheck dagegen strikt ab: „Wir warnen vor einem neuen Gutscheinmurks“, sagte Hauptgeschäftsführer Schneider. Er verweist auf das umstrittene Bildungs- und Teilhabepaket der früheren Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Das 2011 eingeführte Maßnahmepaket gilt als bürokratisch und wurde nur sehr zögerlich in Anspruch genommen. Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich wenig aufgeschlossen. Geld für Reisen und Freizeit sei bereits im pauschalen Grundbetrag für Hartz-Empfänger enthalten, sagte ein Sprecher. Klassenfahrten würden darüber hinaus extra erstattet.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen