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Porträt Helmut Kohl : Ein Leben für Deutschland

vom
Aus der Onlineredaktion

Niemand führte das Land und die CDU bisher länger als Helmut Kohl. Und er nutzte als Kanzler die einmalige Chance zur Wiedervereinigung. Doch es gab auch dunkle Seiten

Helmut Kohl hat Deutschland geprägt wie nur wenige andere Politiker. Ein Vierteljahrhundert hat er die CDU geführt. 16 Jahre war er Bundeskanzler – so lange wie keiner vor ihm und bisher keiner nach ihm. Er war Wegbereiter der Europäischen Union und einer gemeinsamen Währung. Sein größter Erfolg aber war die Wiedervereinigung. An die deutsche Einheit hat er immer geglaubt und nach dem Fall der Mauer 1989 die Chance gegen alle Widerstände im In- und Ausland ergriffen. Kohl hat Geschichte geschrieben.

 

Sein politischer Tiefpunkt und sein politisches Ende war die CDU-Spendenaffäre. Er stellte sich über Recht und Gesetz, als er Geld am Rechenschaftsbericht vorbei für die Partei annahm und den Spendern Anonymität versprach. Er gab ihnen dafür sein Ehrenwort. Die Namen der Geldgeber blieben sein Geheimnis.

Kohls Karriere: Mehr als 40 Jahre war er Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre war er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. 1982 wurde er Kanzler. Dass er 1990 wiedergewählt wurde, hatte er vor allem der Begeisterung der Menschen für die Wiedervereinigung zu verdanken, die er als Kanzler maßgeblich vorantrieb. Bei der Wahl 1998 schließlich beendete sein Herausforderer Gerhard Schröder (SPD) die Ära Kohl als Kanzler.


Sohn Walter: Als Vater hat Helmut Kohl versagt


Kohl privat: Sein Vater war beamteter Steuersekretär, seine Mutter Hausfrau. Der Zweite Weltkrieg, die Not und der Tod seines älteren Bruders Walter in den letzten Kriegstagen hatten sich tief in seine Seele eingegraben. 1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne - Walter und Peter.

Die Familie wohnte in einem Bungalow im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim – Kohls Zuhause bis zum Schluss. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, dort das Leben.

Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter.

Nach einer Knie-Operation stürzte Kohl 2008 und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Öffentliche Auftritte wurden selten, er saß im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. Das Verhältnis zu seinen beiden Söhnen war in den letzten Jahren zerrüttet. Zu seiner Hochzeit waren sie nicht eingeladen. Walter Kohl sagte einmal, als Vater habe Helmut Kohl versagt, er habe sich aber „einseitig“ mit ihm versöhnt.

Bei seinem ersten Auftritt vor der Unions-Bundestagsfraktion nach zehn Jahren, im September 2012 sagte Kohl: „Ich bin zu Hause, wenn ich hierherkomme. Das ist meine innere Bindung.“ Und wenig später bedankte er sich bei einem Festakt zum 30. Jahrestag seiner ersten Kanzlerwahl auch bei jenen, die ihn provoziert und herausgefordert hätten. Er sagte: „Es war eine fantastische Zeit.“


Das letzte Buch: „Aus Sorge um Europa“


Im November 2014 stellte er sein Buch „Aus Sorge um Europa“ vor. Alle Welt konnte erleben, wie wach sein Verstand und wie schwach er ohne Hilfe war. In einem Interview, das er gemeinsam mit seiner Frau dem „Stern“ gab, sagte er aber im selben Monat, dass er eine schöne Ehe führe. Und: „Ich bin glücklich.“ Kohl starb gestern im Alter von 87 Jahren.

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