Tarifverhandlungen : Durchbruch in letzter Minute im Kita-Streit?

<p> </p>
Foto:

 

Trotz enormer Differenzen suchen Arbeitgeber und Gewerkschaften im Kita-Konflikt händeringend nach einem Ausweg ohne neue Streiks.

svz.de von
28. September 2015, 21:00 Uhr

Sie versuchen es noch einmal: Gewerkschaften und Arbeitgeber haben am Montag in Hannover damit begonnen, Chancen für eine Lösung im Kita-Tarifstreit ohne weitere Streiks auszuloten. Die Gespräche dürften sich mindestens bis heute hinziehen. Zuletzt hatte Verdi-Chef Frank Bsirske mit einem weiteren Arbeitskampf gedroht. Hintergründe zu den neuen Verhandlungen von Kommunen, Verdi & Co. von Rasmus Buchsteiner.

Was haben gestern die Gespräche gebracht?
Beide Seiten haben sondiert, an welchen Stellen noch Veränderungen für Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter sowie die Beschäftigten in kommunalen Behinderten-Einrichtungen möglich sein könnten. Ausgangspunkt war der Schlichterspruch von Ende Juni, den die Gewerkschaftsmitglieder allerdings abgelehnt hatten. Die Nacht zu heute sollte genutzt werden, um mögliche Kompromissmodelle durchzurechnen. Offenbar wollten die Arbeitgeber nicht mehr bieten als jene etwa 350 Millionen Euro, die eine Umsetzung der Schlichterempfehlung zusätzlich pro Jahr kosten würde.

Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Dann drohen ab Mitte Oktober neue Streiks, hatte Verdi-Chef Bsirske bereits in der vergangenen Woche erklärt. In einigen Kitas soll es bereits Aushänge mit neuen Streikankündigungen geben. Für die Gewerkschaftsspitzen ist die Kompromisssuche allerdings zum schwierigen Balanceakt geworden: Sie wollen nicht noch einmal ein Basis-Nein zum Verhandlungsergebnis riskieren.

Was war der Vorschlag der Schlichter?
Der Schlichterspruch sieht Lohn-Erhöhungen von zwei bis 4,5 Prozent für alle Berufsgruppen vor, über die verhandelt wird. Von den Erhöhungen – 33 bis 160 Euro, im Schnitt 3,3 Prozent – würden aber nicht alle Beschäftigten profitieren. Insgesamt sind 240 000 Männer und Frauen im Sozial- und Erziehungsdienst beschäftigt. Verdi hatte anfangs Lohnerhöhungen von im Schnitt zehn Prozent gefordert.

Welche Knackpunkte gibt es noch?
Fünf Jahre Laufzeit für den Tarifvertrag haben die Schlichter vorgeschlagen. Zu viel aus Sicht der Gewerkschaften. Doch zeigen die Arbeitgeber bisher wenig Bereitschaft, hier zu Veränderungen kommen. Bewegung könnte allerdings in anderen Punkten möglich sein. Denkbar wäre ein höheres Lohnplus für Erzieherinnen in den ersten sechs Berufsjahren – bisher sind für sie zwischen 33 und 66 Euro mehr vorgesehen. Bei vielen käme jedoch nur die Hälfte an, weil sie Teilzeit-Jobs haben. Die Gewerkschaften dringen darüber hinaus noch auf Verbesserungen für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, die bisher weitgehend leer ausgegangen sind.

Was bedeuten neue Streiks für die Eltern?
Sie müssten weiter improvisieren. Viele Eltern haben ihre Urlaubstage aufgebraucht, weil sie bereits während der ersten Streikwochen im Frühjahr viel freigenommen haben. Auf besonders große Solidarität in der Elternschaft könnten Erzieherinnen bei einer Fortsetzung des Arbeitskampfes daher kaum setzen.

Welche Rolle spielt der Bund im Tarifstreit?
Führende SPD-Politiker, u.a. Sigmar Gabriel und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, hatten Verdi & Co. zunächst vehement unterstützt und die Forderungen der Gewerkschaften als berechtigt verteidigt. Davon war zuletzt nichts mehr zu hören. Mit der Flüchtlingskrise ist der Druck auf die Haushalte größer geworden. Zusätzliches Geld scheint nicht in Sicht zu sein.

Gewerkschaftsforderungen

Angebot der VKA

Infos Verdi

dbb zum Sozial- und Erziehungsdienst

Infos zur Tarifrunde

Schlichterspruch

vka-Nachrichten September 2015

Stellungnahme Elternvertreter September 2015

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen