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Meinung zur Russland-Affäre : „Donald Trump jr. ist ein Idiot“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ärger im Weißen Haus, Spott in den Medien nach Russland-Enthüllungen

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 20:30 Uhr

Donald Trump junior, der älteste Sohn des US-Präsidenten, ist mit Kontroversen gut vertraut. Proteste von Tierschützern, die seine Vorliebe für die Großwildjagd und das Töten von Elefanten, Giraffen und Wasserbüffeln ins Visier nahmen, ließen ihn ebenso kalt wie eine massive Kritikwelle von Frauen-Organisationen, nachdem er erklärt hatte: Wenn sich eine Frau am Arbeitsplatz nicht erfolgreich gegen sexuelle Belästigung wehre, sei sie eben nicht stark genug – und solle ihren Platz räumen. 

Starke Worte und das Gefühl, als Mitglied des Trump-Clans sich fast alles leisten zu können. So ging der 39-jährige New Yorker mit der auffälligen Gelfrisur bisher durchs Leben. Doch nun steht er plötzlich  mit dem Rücken zur Wand. Seit bekannt wurde, dass er im Juni 2016 einem Treffen mit einer russischen Anwältin zugestimmt hatte, die angeblich von der Regierung in Moskau gesammelte negative Informationen über die Trump-Gegnerin Hillary Clinton in Aussicht gestellt hatte, stehen er und auch der Vater unter  Erklärungsdruck.

„I love it“. „Ich liebe das“, hatte der Junior auf die Termin-Einladung hin geschrieben, bei der der Vermittler des Treffens – ein Freund des Vaters – keinen Zweifel daran ließ, dass die Kreml-Regierung an einem Wahlsieg Donald Trumps enormes Interesse hatte – und dass Moskau  helfen wollte, den Ruf von Hillary Clinton zu beschädigen.

Nun will sich laut CNN auch Justiz-Sonderermittler Robert Mueller dem brisanten Termin vom 9. Juni 2016 widmen. Die bisherige Argumentation des Trump-Lagers zu den Russland-Vorwürfen bricht wie ein Kartenhaus zusammen: Dass es keinerlei Zusammenarbeit mit Vertretern Moskaus gegeben habe, um den Ausgang der November-Wahl zu beeinflussen.   Mueller, die US-Justiz und das FBI werden auch den zahlreichen neuen Fragen nachgehen, die nun gestellt werden: Ob Trump junior sich strafbar gemacht hat. Und warum informierte Trump junior nicht sofort das FBI über das Ansinnen der Russen?

Gefragt wird auch, ob – anders als vom Sohn behauptet – der Präsident höchstpersönlich bei dem 20minütigen Termin anwesend war, bei dem auch Schwiegersohn Jared Kushner und Ex-Kampagnenmanager Paul Manafort mit am Tisch saßen. Sollte dies der Fall sein, so wäre das Desaster für die Trump-Familie nicht mehr zu steigern – und die Präsidentschaft Trumps ernsthaft in Gefahr.

Donald Trump ist jedenfalls nach dem G 20-Gipfel  abgetaucht. Zu verdanken hat der Präsident die neuen Enthüllungen über den Russland-Termin  den zahlreichen „Lecks“ im Geheimdienst- und Justizapparat.  Trump senior beklagte die „größte Hexenjagd in der politischen Geschichte. Traurig!“ Sein Sohn sei „unschuldig“ und habe sich „transparent verhalten“.

 Donald Trump junior, der keinen Regierungsposten bekleidet und zusammen mit Bruder Eric das Trump-Finanzimperium  leitet, gibt sich nun – beraten auch von einem Strafverteidiger – kleinlaut. Er veröffentlichte die brisante Email-Korrespondenz. Dem Vater will er nichts von dem Termin gesagt haben. Und: Er würde heute die Dinge „etwas anders“ machen…

Offiziell hält Trump senior weiter an seinem Ältesten fest. Doch selbst die konservative und sonst Trump wohlgesinnte Tageszeitung „New York Post“ erschien jetzt mit einer eindeutigen Titelseiten-Schlagzeile: „Donald Trump jr. ist ein Idiot“.

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