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Atommüll : „Die weiße Landkarte“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Streit um die Suche nach Atom-Endlager – Abschlussbericht der Kommission

Jahrzehnte wird schon um den Atommüll gestritten, Milliarden sind in die Erkundung von Gorleben geflossen. Unter neuen Spielregeln geht die Endlagersuche jetzt von vorne los – und dafür ist ganz Deutschland eine „weiße Landkarte“, jede Region kann es treffen.

Das fordert jedenfalls die Endlager-Kommission aus Vertretern von Bund, Ländern, Experten und Verbänden, die gestern ihren Kriterienkatalog präsentierte. Die Suche soll von „technisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen“ geleitet werden, sagte die Kommissionsvorsitzende Ursula Heinen-Esser (CDU). Doch der politische Kampf ist längst entfacht. Bayern und Sachsen sehen sich keinesfalls als Teil der „weißen Landkarte“.

Für eine Million Jahre soll der deutsche Atommüll endgelagert werden. Tief unter der Erde, in Salzstöcken, dicken Tonschichten oder Granitgestein, geschützt von einem Deckgebirge. Das sind die wichtigsten Kriterien, die noch in ein Gesetz gegossen werden müssen – und nach dem Willen der Kommission noch vor der nächsten Bundestagswahl.

Infografik: Atommüll in Deutschland | Statista
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Ausgerechnet aus Bayern kommt der hartnäckigste Widerstand. Der Freistaat hatte jahrzehntelang mit den höchsten Atomstromanteil, will den Müll aber nicht haben: Per Sondervotum erklärte die Staatsregierung, das Granitgestein sei zu zerklüftet und mithin nicht sicher genug. Die Sachsen zogen mit und wehren sich mit dem gleichen Verweis. Die Abwehrhaltung in München und Dresden sei „keine hohe Staatskunst“, schimpft der zweite Kommissionsvorsitzende Michael Müller (SPD).

Die niedersächsische Landesregierung hingegen steht hinter der Kommissionsarbeit – obwohl Gorleben noch auf der „weißen Landkarte“ liegt. Das könnte aber daran liegen, dass die Kriterien so formuliert sind, dass der Salzstock im Wendland am Ende nicht in die engere Auswahl kommen dürfte. Gorleben sei zum einen „sozial verbrannt“, sagt Kommissionschef Müller mit Blick auf die jahrzehntelange Abwehrschlacht der Region. Und überdies würde es bei den geologischen Kriterien durchfallen.

Fast 80 Prozent der Bundesbürger stehen hinter dem Atomausstieg, wie eine zusammen mit dem Kommissionsbericht präsentierte Emnid-Umfrage ergab. Auf die Frage, ob sie die Standortwahl akzeptieren würden, wenn die Wahl auf ihre Region fiele, antworteten 51 Prozent mit nein. Frühestens 2031 soll nun die Entscheidung fallen.

 

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erstellt am 05.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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