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Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan : Die Weihnachtsbotschaft: Abschied vom Abzug

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Von der Leyen stellt die Bundeswehr darauf ein, dass sie wohl noch lange in Afghanistan bleiben muss

svz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Es hat sich in den letzten beiden Jahren viel verändert im Camp Marmal. Weite Teile des Feldlagers nahe der nordafghanischen Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif sind verwaist, riesige Flächen wurden von Wohncontainern und Fuhrparks freigeräumt. „Da war mal alles voll“, sagt der Bundeswehr-Logistiker, der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gestern  auf einer Aussichtsplattform einen Überblick über das Lager verschafft.

Wo er hinzeigt, ist eine leere Geröllfläche. Das Camp hatte einmal die Dimension einer Kleinstadt, jetzt ist es fast zu einem Dorf zusammengeschrumpft. 7000 Soldaten waren hier 2013 stationiert, als die Nato die radikalislamischen Taliban noch offensiv bekämpfte. Heute sind es gerade einmal 1600. An die Kampfoperationen erinnern nur noch ein paar Fotos im Hauptquartier des Camps – und der Ehrenhain für die gefallenen Soldaten.

Es gibt aber auch noch Dinge, die sich im Camp Marmal nicht geändert haben. Wie jedes Jahr in der Adventszeit haben die Soldaten einen Weihnachtsmarkt aufgebaut und dafür eine neun Meter hohe Tanne mit einem Militärtransporter aus Leipzig einfliegen lassen. Die mitgelieferten Weihnachtskugeln waren zu klein. Deswegen wurden kurzerhand Fuß- und Basketbälle in Silberpapier eingepackt.

Wie jedes Jahr im Dezember schaut auch die Ministerin vorbei. Eigentlich sollte ihr dritter Weihnachtsbesuch in Masar-i-Scharif auch ihr letzter werden. Denn für das Frühjahr 2016 war der Rückzug der Soldaten nach Kabul und die Schließung des Camps geplant. Jetzt ist erstmal Schluss mit der Truppenreduzierung, weil die afghanische Armee die Sicherheitslage nicht alleine in den Griff bekommt.

„Die Grundbotschaft muss sein: Wir bleiben“, sagt von der Leyen schon auf dem Hinflug. Später spricht sie von einem Fehler der Nato, feste Zeitlinien für den Abzug festgelegt zu haben. „Diese Botschaft ist auch von den Taliban verstanden worden.“ Die hätten das zum Anlass genommen, um loszuschlagen. Als Konsequenz soll es jetzt keine Abzugsdaten mehr geben. Die Soldaten sollen so lange bleiben, bis ein vertretbares Maß an Sicherheit herrscht. Es ist eine Abkehr von einer seit fünf Jahren verfolgten Strategie der Nato. Immer wieder wurden Zeitlinien genannt – erst für das Ende des Kampfeinsatzes, dann für die Beratung und Ausbildung der afghanischen Streitkräfte.

Jetzt ist das Ende wieder offen. Die Nato hat sich am vergangenen Dienstag zunächst einmal darauf festgelegt, die Truppe im nächsten Jahr nicht wesentlich zu reduzieren. Die Zahl der Bundeswehrsoldaten soll sogar von 850 bis zu 980 aufgestockt werden.

Im nächsten Jahr  wird es nicht mehr so eindeutig sein, wo die Weihnachtsreise der Oberbefehlshaberin der Bundeswehr hinführt. Die Stärkung der Truppenmoral könnte dann im Syrien-Einsatz dringlicher sein als in Afghanistan.

KOMMENTAR von Rasmus Buchsteiner: Noch ein weiter Weg
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte bei ihrem Blitzbesuch in Afghanistan düstere Analysen und Prognosen deutscher Sicherheitsexperten im Gepäck. Die zentrale Botschaft: Ohne eine massive internationale Truppenpräsenz drohen innerhalb kürzester Zeit irakische Verhältnisse in Afghanistan, verbunden mit der Gefahr eines Schulterschlusses der Taliban mit Kämpfern, die der Ideologie des Islamischen Staates folgen. Der ohnehin schon enorme Flüchtlingsexodus gen Europa würde noch weiter verstärkt. Wie ihre Kollegen in der NATO weiß von der Leyen, dass in Afghanistan keine militärischen Wunder zu erwarten sind. Aber es gilt, Regierungstruppen und Polizei weiter zu stärken und so auszubilden, dass sie den Taliban auch wirklich etwas entgegenzusetzen zu haben.
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