Deutscher Pflegetag : Die verschleppte Reform

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Mehr Hilfen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen? – Hintergründe zu den Debatten beim Deutschen Pflegetag

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13. März 2015, 08:07 Uhr

Pflegenotstand? Fachkräftemangel? Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt weiter deutlich an. Verbände schlagen jetzt Alarm und erhöhen den Druck auf Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die nächsten Reformschritte schnell auf den Weg zu bringen. Experten beraten seit gestern beim Deutschen Pflegetag über Reformen. Hintergründe zu den Debatten von Rasmus Buchsteiner.

Wie viele Pflegebedürftige gibt es in Deutschland?
Im Jahr 2013 gab es 2,63 Millionen Pflegebedürftige – fünf Prozent oder rund 125 000 Pflegefälle mehr als zwei Jahre zuvor. Mehr als zwei Drittel oder rund 1,86 Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause betreut. 1,25 Millionen davon erhalten ausschließlich Pflege von Angehörigen, was zu erheblichen Einsparungen für die Pflegeversicherung führt. Die AOK beziffert die volkswirtschaftliche Wertschöpfung durch Angehörigenpflege auf 29 Milliarden Euro pro Jahr und fordert daher mehr Unterstützung für die Pflege zu Hause. 764 000 Menschen in Deutschland werden - vollstationär - in Heimen gepflegt. Bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen nach Schätzungen auf etwa 3,4 Millionen steigen.

Was sind die grössten Herausforderungen?
Das bisherige System der Pflegenoten für Heime hat sich nicht als besonders aussagekräftig erwiesen. Die Bundesregierung hat eine Reform des sogenannten Pflege-TÜVs angekündigt. Die Regierung will zudem neue Standards für die Ausbildung von Pflegekräften. In Deutschland fehlen Pflegekräfte. Nach Schätzungen werden jährlich bis zu 40 000 Pflege-Fachkräfte mehr gebraucht. Eine weitere Großbaustelle ist die volle Einbeziehung von Demenzkranken in die gesetzliche Pflegeversicherung – oft angekündigt, bisher nie umgesetzt. Bisher erhalten rund 250 000 der 1,4 Millionen Demenzkranken keine Pflege-Leistungen.

Wann wird die Reform nachgeholt?
Geht es nach Gesundheitsminister Gröhe, wird die Reform spätestens Anfang 2017 in Kraft treten. Statt drei Stufen soll es in Zukunft fünf Pflegegrade geben. Kritiker werfen der Koalition vor, die Veränderungen zu verschleppen.

Was hat Schwarz-Rot bisher bei der Pflege angepackt?
Zu Jahresbeginn sind die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung um durchschnittlich vier Prozent angehoben worden. Die Zuschüsse für den Umbau in Wohnungen Pflegebedürftiger wurden angehoben, von zuletzt höchstens 2500 auf 4000 Euro. Darüber hinaus sind die Zuschüsse für Pflegehilfsmittel wie Pflegebetten oder Notrufsysteme gestiegen.

Gab es Verbesserungen für Angehörige?
Pflege-Leistungen sind seit Anfang des Jahres besser miteinander zu kombinieren. Wer eigentlich zu Hause gepflegt wird, kann nun leichter vorübergehend in einem Heim oder von ambulanten Diensten betreut werden. Wenn Angehörige pflegebedürftig werden, können Arbeitnehmer eine bezahlte Job-Auszeit von zehn Tagen nehmen. Es werden während dieser Zeit 90 Prozent des wegfallenden Nettoentgelts gezahlt. Weitere Verbesserungen für Angehörige sind erst einmal nicht in Sicht.
 

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