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Wohlstand bedroht : Die Sozialsysteme ächzen

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Aus der Onlineredaktion

Hohe Sozialabgaben machen die Arbeit in Deutschland teuer. Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand bedroht

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Steuern, „Soli“, Kommunalabgaben oder Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung – die Bürger werden kräftig zur Kasse gebeten. Vor allem die hohen Sozialabgaben machen die Arbeit hierzulande teuer. Und die zunehmende Alterung der Gesellschaft belastet die Sozialsysteme zusätzlich – auch bei langfristig moderatem Wirtschaftswachstum. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und damit Wohlstand und soziale Sicherheit stehen auf dem Spiel. Hintergründe von Ruppert Mayr und André Stahl:

Wo steht Deutschland international bei den Abgaben?

Deutschland zählt bei der Steuern- und Abgabenlast zusammen zu den Spitzenreitern. So musste nach Berechnungen der Industrieländerorganisation OECD ein lediger Angestellter ohne Kind im vergangenen Jahr im Schnitt 49,4 Prozent seines Bruttolohnes an den Staat abliefern. Im Kreis der 35 OECD-Länder rangiere Deutschland damit auf dem zweithöchsten Platz nach Belgien. Das liege vor allem an den relativ hohen Sozialabgaben, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen – die Arbeitnehmer inzwischen etwas mehr als die Hälfte. Vor 10 bis 20 Jahren lag die Sozialabgabenquote noch deutlich über 40 Prozent des Bruttoarbeitslohnes. Zur Zeit gehen 39,95 Prozent für Renten-, Kranken- und Pflege- sowie Arbeitslosenversicherung weg.

Was passiert, wenn die Quote deutlich steigt?

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte im Frühjahr: „Die Abgabenlast für die Wirtschaft ist vertretbar, sie sollte aber auch nicht steigen.“ Zuletzt war es Konsens zwischen Wirtschaft und Politik, nicht über die 40-Prozent-Marke zu kommen. Der Arbeitgeberverband BDA zitiert eine Prognos-Studie, wonach ein Anstieg der Sozialbeiträge um einen Prozentpunkt den Verlust von 90 000 Arbeitsplätzen bedeute. Und nach Prognos-Berechnungen steigt der Gesamtbeitrag für die vier zentralen Sozialversicherungen bis 2040 auf 48,8 Prozent, wenn es keine gesetzlichen Eingriffe gibt. Gibt es Eingriffe etwa bei der Rente, könnten sie sogar auf 55,5 Prozent zulegen. Damit drohe ein massiver Verlust an Arbeitsplätzen – trotz gleichzeitigem Fachkräftemangel. Die Arbeitgeber warnen denn auch vor Wahlgeschenken wie einer Ausweitung der Mütterrente.

Allerdings wollen sie sich nicht darauf festlegen, ob die Abgabenquote durch Leistungskürzungen etwa im Gesundheitsbereich oder durch Steuerzuschüsse gehalten werden sollte.

Warum steigt trotz guter Konjunktur und Job-Rekord das Sozialbudget?

Hier schlagen jetzt schon Mehrausgaben für höhere Renten an mehr Ruheständler und mehr Kassenausgaben für medizinische Leistungen zu Buche. 2016 gab der Staat nach dem aktuellen Sozialbericht 918 Milliarden Euro für Sozialleistungen aus – ein Plus von rund 33 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. D

Woher kommt das Geld für wachsende Sozialleistungen?

Von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie den Steuerzahlern. Nimmt die Zahl der Erwerbstätigen ab, wird es schwierig, das ohnehin nicht allzu üppige Wirtschaftswachstum zu halten. Zugleich steigt der Anteil der Ruheständler. Mit der Konsequenz, dass immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner zahlen müssen.

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