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Alice Weidel : Die radikale Liberale

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Aus der Onlineredaktion

Alice Weidel, die neue Spitzenkandidatin der AfD, wirkt auf den ersten Blick sehr gemäßigt – doch das täuscht

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 21:00 Uhr

„Ich stehe für den freiheitlich-konservativen Arm der AfD“, rief Alice Weidel auf dem AfD-Parteitag am Wochenende. Dort wurde sie zur Co-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl nominiert. Ihr elegantes Auftreten, ihre Karriere als Unternehmensberaterin, ihre vermeintliche Distanz zum Höcke-Lager: Auf den ersten Blick wirkt Alice Weidel wie das gemäßigte Gesicht der AfD. Doch das täuscht.

Fast sechs Jahre lang hat die Volkswirtin in China geforscht und gearbeitet. 2012 kommt sie zurück nach Deutschland und begeistert sich für ein neues Thema: die Euro-Krise. Sie ist strikt dagegen, dass die EU Kredite an Griechenland gibt und nennt das einen „Milliarden-Euro-teuren Holzweg“. Noch im Gründungsjahr 2013 tritt Weidel der AfD bei.

Weidels Lieblingsthema ist bis heute der Euro. Er gehöre abgeschafft, stattdessen möge man eine „D-Mark 2.0“ einführen und darüber ein Referendum abhalten. Überhaupt fordert sie für Deutschland mehr direkte Demokratie, Volksentscheide nach Schweizer Vorbild. Von ihrem Wohnort Überlingen am Bodensee kann man die Schweiz sehen.

Als Ökonomin orientiert sich Weidel an dem 1992 verstorbenen Friedrich von Hayek, dem wichtigsten Vertreter der liberalen Österreichischen Schule, auf den sich schon Augusto Pinochet, Ronald Reagan und Margret Thatcher beriefen. Hayeks These: Nicht nur der Sozialismus, auch der demokratische Fürsorgestaat führt in eine Planungsspirale, an deren Ende der Staat für alles zuständig sei. Am Ende stehe auch hier die Unfreiheit. Der Weg zur Knechtschaft sei mit gut gemeinten, sozialen Zielen gepflastert. Die Lösung: Der Staat habe sich aus dem Allermeisten herauszuhalten. Niedrige Steuern, niedrige Sozialausgaben, der Markt werde es schon richten.

Das führt dazu, dass Hayek-Anhänger etwa den Klimaschutz ablehnen, weil auch der eine zu große Einmischung des Staates in die Wirtschaft bedeute. Weidel ist ebenso gegen die Energiewende.

Liberal ist Weidel aber nicht nur in wirtschaftspolitischen Fragen, sondern auch in gesellschaftlichen. Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger hatte in ihrer Sendung am 16. März 2016 Alice Weidel als lesbisch geoutet. Weidel sagte daraufhin, man müsse zwischen Privatem und Politik trennen. Ihre Lebensgefährtin, mit der sie ihre Söhne aufzieht, ist Schweizerin. Wegen ihres Lebenslaufs, ihrer Homosexualität und ihrer wirtschaftsliberalen Einstellung wird Weidel manchmal gefragt, ob sie in der falschen Partei sei. In Bezug auf die AfD sagt sie nur: „Familienpolitische Sprecherin werde ich bestimmt nie werden.“

So besonnen sie bei ihren Talkshow-Auftritten wirkt, so radikal sind viele ihrer Positionen. Auf ihrer Facebook-Seite polemisiert sie: „Ganz Deutschland ist dank Angela Merkel zum kriminellen Hotspot geworden“. Täter würden immer wieder „südländisch“ aussehen. Sie spricht von einer „Asylkatastrophe“. Ende Oktober 2016 schreibt sie auf Facebook, deutsche Steuerzahler würden einem „Millionenheer von ungebildeten Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika eine Rundumsorglos-Vollversorgung finanzieren“. Der Islam ist für sie eine „archaische Kultur“.

Von den völkischen Aussagen mancher Parteigenossen distanziert sich Alice Weidel aber. Über Björn Höcke sagte sie öffentlich im April 2016: „Ich kann mit diesem völkischen Gerede nichts anfangen, und das ist auch enorm schädlich für die AfD.“

 

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