Ulrich Wickert : Die Nation steht zusammen

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Frankreich-Experte Ulrich Wickert spricht von neuer Qualität des Terrors

von
16. November 2015, 12:00 Uhr

Der Journalist Ulrich Wickert hat lange Zeit als Korrespondent in Frankreich gearbeitet. Rasmus Buchsteiner sprach mit dem Publizisten und Frankreich-Experten.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Terror in Paris erfahren haben?
Wickert: Ich war vor 14 Tagen noch in Paris. Überall patrouillierten Polizisten mit schutzsicheren Westen und Maschinengewehren vor der Brust. Daran habe ich mich sofort erinnert. Mein erster Gedanke war: Solche Terroranschläge sind letztlich nicht zu verhindern.

Ist es eine neue Dimension des Terrors?
Es ist eine neue Qualität. Hier geht es um eine ganze Gruppe von Attentätern, die an sechs verschiedenen Orten zugeschlagen haben. Bei dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ waren es mehr oder weniger Einzeltäter. Dass jetzt eine Gruppe angreift, Männer, die gut ausgebildet waren, ist etwas Neues. Das hat es vorher in Frankreich nicht gegeben.

Präsident Hollande spricht von „Krieg“. Wird Frankreich seinen Kampf gegen den IS jetzt verstärken?
„Es ist Krieg“ – das ist eine Formulierung der Stärke. Damit will die Führung das Signal aussenden: Wir lassen uns nicht einschüchtern. So etwas erwarten die Franzosen in der jetzigen Situation. Die Nation steht zusammen. Frankreich wird an seinem Kurs festhalten. Ein Flugzeugträger der französischen Marine ist seit Tagen auf dem Weg ins östliche Mittelmeer. Die Ausweitung der Luftangriffe gegen den IS war schon vor den Anschlägen geplant. Es gibt in Frankreich jetzt auch die Wagemutigen, die Einsatz von Bodentruppen fordern – aber dazu wird es nicht kommen. Das ist keine Option.

Wird jetzt der Druck auf Deutschland wachsen, sich stärker am Kampf gegen den IS zu beteiligen?
Für mich war erstaunlich, dass Angela Merkel gesagt hat, sie weine mit den Franzosen. Eine solche emotionale Äußerung habe ich von ihr noch nicht gehört. Angela Merkel und Francois Hollande verbindet ein sehr gutes, ein persönliches Verhältnis. Nun wird es sicherlich auch um die Frage gehen, inwieweit Deutschland von der Türkei aus Luftaufklärung betreiben und die Franzosen so unterstützen kann.
 

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