Kanzlerin Merkel über Integration : Die Kümmerin

Die Kanzlerin musste in den vergangenen Jahren viel Kritik für ihre Flüchtlingspolitik einstecken.
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Die Kanzlerin musste in den vergangenen Jahren viel Kritik für ihre Flüchtlingspolitik einstecken.

Die Integrationsoffensive der Flüchtlingskanzlerin – Angela Merkel und ihr neues „Wir schaffen das“

svz.de von
04. April 2017, 21:00 Uhr

Da ist sie wieder, die Flüchtlingskanzlerin. Heute Abend im Rhein-Energie-Stadion zeigt Fußball-Fan Angela Merkel, wie Integration von Flüchtlingen erfolgreich gelingen kann. Fototermin mit jungen Fußballerinnen und Fußballern vor dem Bundesligaspiel FC Köln gegen Eintracht Frankfurt. Es sind Kinder aus Flüchtlingsunterkünften und junge Mädchen aus Familien, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind und jetzt beim Stadtteilclub CFB Ford Niehl und dem Projekt „Scoring Girls“ trainieren, mit Kölner Altersgenossen kicken. Der Fußball soll verbinden und helfen, sich in der neuen Heimat besser zurechtzufinden. Eine Vereinsstiftung macht es möglich, und auch das Netzwerk „Wir zusammen“, einer Initiative namhafter Unternehmen der deutschen Wirtschaft, hilft. „Wir zusammen“, heißt es an diesem Abend auch auf den Trikots der Profifußballer, die von Flüchtlingskindern auf den grünen Rasen begleitet werden. Nur eine von vielen Erfolgsgeschichten, die sich die Kanzlerin wünscht.

Für morgen hat Merkel zum Flüchtlingsgipfel ins Kanzleramt geladen. Zum sechsten Mal schon treffen sich Vertreter der Wirtschaft, Kommunen, Stiftungen, Kirchen und Verbände zum Meinungsaustausch in der Regierungszentrale. Und am Freitag empfängt die Kanzlerin dort 140 ehrenamtliche Helfer aus ganz Deutschland, um sich für deren Arbeit bei der Integration zu bedanken und über die künftigen Herausforderungen zu diskutieren. Weitere solcher Termine sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen.

Mag sich Merkel auch längst von ihrem umstrittenen Mantra „Wir schaffen das!“ verabschiedet und Fehler in der Krise eingeräumt haben, steht das Thema auch weiter bei ihr ganz weit oben auf der Agenda. Schließlich will sie glaubwürdig bleiben. Nach dem Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik setzt die Kanzlerin jetzt vor allem stärker auf Integration und Rückführung. Die Kümmerin will sich auch weiter kümmern. „Wir erwarten, dass sich die Menschen, die zu uns kommen, an unsere Gesetze halten, dass sie ein bisschen neugierig sind auf unser Leben“, erklärte die Kanzlerin jetzt in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, forderte aber auch von den Deutschen, offen zu sein. Man könne stolz auf das sein, was man auf dem Gebiet der Integration bereits geleistet habe. Merkels Rat an Flüchtlinge: Sie sollten verstärkt in ländliche Regionen ziehen, weil es dort mehr Wohnraum als in den Ballungsgebieten gebe.

Merkels Appell an die Wirtschaft: Mehr Flüchtlinge einstellen. Zwar hatten die Unternehmen angekündigt, sich stärker zu engagieren, doch geht es bei der Integration in den Arbeitsmarkt immer noch langsam voran. Lediglich elf Prozent der Betriebe, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, beschäftigten Flüchtlinge.

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