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Gesundheit : Die Krankenakten der Politiker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von Helmut Kohl über Hans Dietrich Genscher bis Angela Merkel – Ämter und Stress bleiben nicht ohne Folgen für die Gesundheit

von
erstellt am 13.Sep.2016 | 06:30 Uhr

Es sind Bilder, die entscheidenden Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf haben könnten. Hillary Clinton taumelt, muss gestützt und in einen Wagen gehoben werden. Schwächeanfall, Lungenentzündung, Wahlkampfpause – der größte anzunehmende Unfall für die Spitzenfrau der Demokraten im Kampf gegen ihren republikanischen Widersacher Donald Trump.

Politiker und ihre Gesundheit – auch hierzulande ist dies immer wieder großes Thema. Vielen Politikern fällt es schwer, mit Krankheit umzugehen. Nicht selten wird geschwiegen, geschwindelt und heruntergespielt. Schließlich geht es um Stärke und Macht, wer in der ersten Reihe schwächelt, muss womöglich damit rechnen, dass die Karriere leidet. „Krankheit gilt in der Gemeinschaft der Haie als Schwäche – wer blutet, wird gefressen“, beschrieb einmal der Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Kurt Kister, das politische Haifischbecken. Ob Helmut Kohl, Helmut Schmidt oder Hans Dietrich Genscher, ob Angela Merkel, Sigmar Gabriel oder Horst Seehofer – das Amt und der Stress bleiben oft nicht ohne gesundheitliche Folgen. Viel Stress, wenig Bewegung, nicht nur Kanzler und Minister können ein Lied davon singen.

Anfang des Jahres hatte CSU-Chef Horst Seehofer während einer Rede bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion Kreuth einen Schwächeanfall erlitten. CDU-Chefin Angela Merkel musste im Dezember vergangenen Jahres die Aufzeichnung eines TV-Interviews „wegen Unwohlsein“ unterbrechen. Eilig wird in solchen Fällen stets versichert, dass es sich um nichts Ernstes gehandelt habe.

Vizekanzler Sigmar Gabriel musste Anfang Mai eine Reise in den Iran kurzfristig wegen eines gesundheitlichen Problems absagen. Wegen eines drohenden Putsches gegen ihn auf dem Bremer Parteitag 1989 schob der damalige Bundeskanzler und CDU-Chef Helmut Kohl eine dringend notwendige Prostata-Operation auf, kämpfte mit großen Beschwerden und ärztlicher Begleitung um sein Amt als Parteivorsitzender. In seinen „Erinnerungen“ beschreibt er die „wahnsinnigen Schmerzen“. Es sei ihm vorgekommen, „als könnte ich jeden Moment ohnmächtig werden“. Wäre er nicht auf dem Parteitag erschienen, hätten dies seine parteiinternen Gegner wie CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als Kneifen ausgelegt.

Vor allem Minister und Kanzler sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt litt bereits in seiner Zeit als Regierungschef unter Herzproblemen: 1980 erkrankte er an einer Herzmuskelentzündung, im Oktober 1981 wurde ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt. „Gerüchte über meinen Tod sind übertrieben“, unkte Schmidt später im hohen Alter gern. Die „fiebrigen Erkältungen“, von denen oft die Rede war, wenn Bundeskanzler Willy Brandt seine Amtsgeschäfte nicht oder nur vom Bett aus wahrnehmen konnte, waren nicht selten die Folgen einer Depression: „In Wirklichkeit war ich kaputt.“ Diagnose Krebs hieß es vor Jahren bei Oskar Lafontaine. Die wohl schillerndste Figur der deutschen Politik meisterte auch diesen Schicksalsschlag. Im Frühjahr 1990 hatte er im Wahlkampf ein Messerattentat überlebt, sich schnell wieder von den Verletzungen erholt, jedoch unter den psychischen Folgen gelitten. Linken-Spitzenmann Gregor Gysi musste sich im Herbst 2004 wegen einer Gefäßerweiterung einer Gehirnoperation unterziehen, zog sich zurück, kehrte aber bereits 2005 als Spitzenkandidat im Bundestagswahlkampf wieder. Und CSU-Chef Horst Seehofer verschleppte 2002 eine Herzmuskelentzündung, verdrängte die Symptome und landete auf der Intensivstation. Sechs Jahre später wurde er zum CSU-Chef und Ministerpräsidenten gewählt.  


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