Die Jungen zahlen drauf

Wer profitiert tatsächlich von den schwarz-roten Rentenwohltaten im Koalitionsvertrag?

svz.de von
13. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Für die milliardenschweren Rentenpläne von Schwarz-Rot werden jene geradestehen müssen, die später einmal davon am wenigsten haben.

Das ist geplant:

Bereits 2014 sollen Frauen, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, zwei statt einen Rentenpunkt gutgeschrieben bekommen. Damit erhöht sich deren Rente im Westen monatlich um 28,14 Euro, im Osten um 25,74 Euro brutto. Eine abschlagsfreie Rente ab 63 soll erhalten, wer mindestens 45 Beitragsjahre (einschließlich Arbeitslosigkeit) vorweisen kann. Das abschlagsfreie Renteneintrittsalter soll aber in Stufen angehoben werden.

Wer aus Krankheitsgründen vorzeitig in Rente gehen muss, soll besser gestellt werden. Die Anhebung der Zurechnungszeit um zwei Jahre wirkt sich so aus, als ob ein Betroffener bis zur Vollendung des 62. (bisher: des 60.) Lebensjahres in die Rente eingezahlt hat.

Die solidarische Lebensleistungsrente sollen von 2017 an jene bekommen, die 40 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt und zusätzlich privat vorgesorgt haben, aber nicht auf 30 Rentenentgeltpunkte kommen.

Wie sich das alles auswirkt, zeigen folgende Einzelfallbeispiele:

Fachverkäuferin (31),

2500 Euro Brutto,

ein Kind:

Von der verbesserten Mütterrente hat sie nichts, denn begünstigt sind nur Frauen, deren Kinder vor 1992 auf die Welt kamen. Sie wird stattdessen als Beitragszahlerin zur Kasse gebeten - erst einmal indirekt, wenn der Beitragssatz zur Rentenversicherung nicht wie vorgesehen sinkt. Damit wird Beschäftigten und Unternehmen eine gesetzlich vorgeschriebene Entlastung von sechs Milliarden Euro vorenthalten. Union und SPD brauchen die Mehreinnahmen für die Mütterrente. Die 31-Jährige wird damit auf etwa 7,50 Euro brutto im Monat Entlastung verzichten müssen.

westdeutsche Ver-

käuferin (64), 2000 Euro

brutto, zwei Kinder

vor 1992 geboren:

Sie wird 2014 nach 25 Berufsjahren mit monatlich etwas mehr als 700 Euro in Rente gehen – plus Erziehungszeiten für die beiden Kinder. Die schlagen mit brutto 112 Euro im Monat zusätzlich zu Buche. Das sind 56 Euro mehr als bisher. Für die Besserstellung bis ans Lebensende wird die Frau maximal noch für ein Beitragsjahr zur Kasse gebeten. Von der geplanten abschlagfreien Rente mit 63 hat sie wegen zu weniger Beitragsjahre nichts.

Student (21),

keine Kinder:

Die geplanten Leistungsverbesserungen begünstigen junge Menschen grundsätzlich nicht. Er könnte allenfalls, sollte er wegen einer schweren Erkrankung vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, von der verbesserten Erwerbsminderungsrente profitieren. Arbeitet er jedoch weiter, wird er als Beschäftigter in jedem Fall (über den Rentenbeitrag) die Mütterrente und (über die Steuer) die abschlagsfreie Rente ab 63 mitbezahlen.

Frührentner (51):

Er steht sich künftig besser. Derzeit erhalten Betroffene im Schnitt rund 600 Euro Rente ausgezahlt. Künftig sind es gut 45 Euro pro Monat brutto mehr. Unter Berücksichtigung der Abschläge von bis zu 10,8 Prozent sind es durchschnittlich immer noch rund 40 Euro mehr.- Facharbeiter (60), Monatsbrutto 4000 Euro: Er ist der klassische Nutznießer der abschlagfreien Rente mit 63. Mit 18 ins Arbeitsleben gestartet, kommt er auf die erforderlichen 45 Beitragsjahre. Damit wird seine Rente auch mit 63 nicht durch die sonst üblichen 7,2 Prozent Abschlag gekürzt. Das sind bei einer Monatsrente von 1500 Euro brutto 108 Euro. Der für 2014 geplante Verzicht auf die Absenkung des Rentenbeitragssatzes „kostet“ den 60-Jährigen aber (so lange er noch arbeitet) 12 Euro brutto monatlich: Das ist sein Beitrag zur Mütterrente.

Facharbeiter (40),

4000 Euro Brutto/Monat: Er schaut bei der abschlagsfreien Rente mit 63 in die Röhre. Grund: Das Zugangsalter zu diesem Rentenmodell wird bis zum Jahr 2032 schrittweise auf 65 Jahre angehoben. Deshalb kommen Angehörige der Geburtsjahrgänge 1967 und später nicht mehr in den Genuss der Regelung. Mit anderen Worten: Wer 2014 jünger als 48 Jahre ist, kann erst mit 65 ohne Abschlag in Rente gehen – aber auch erst nach 45 Beitragsjahren. Mitbezahlen dürfen die Jüngeren das Frühverrentungs-Model fast zwei Jahrzehnte lang.

Bei der verbesserten Mütterrente ist der 40-Jährige auch dabei: als Beitragszahler mit monatlich etwa 12 Euro.

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