CSU-Parteitag : Die große Söder-Show

Finale Triumphgeste zweier CSU-Alphatiere: Horst Seehofer (li.) und Markus Söder
Finale Triumphgeste zweier CSU-Alphatiere: Horst Seehofer (li.) und Markus Söder

Nach jahrelangem Machtkampf inszenieren CSU-Größen auf dem Parteitag die perfekte Harmonie

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17. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Knapp 35 Minuten hat Markus Söder geredet, den CSU-Parteitag mit einem fulminanten Auftritt gerockt, selbst die Söder-Skeptiker aus Oberbayern springen von ihren Plätzen. Jetzt ruft er Parteichef Horst Seehofer zu sich auf die Bühne. Der packt Söder energisch an der Hand, gemeinsam reißen sie die Arme in die Höhe zur finalen Triumphgeste. 900 Delegierte in der Nürnberger Messehalle spenden donnernden Beifall.

Mit dem zweitägigen Parteitag, der mit Söders Rede zu Ende geht, beginnt für die Christsozialen eine neue Ära. Mit fast hundert Prozent wird der bisherige Finanzminister für den Posten des Ministerpräsidenten nominiert, im ersten Quartal soll er das Amt von Seehofer übernehmen, die CSU als Spitzenkandidat in die schwierige Landtagswahl im kommenden Herbst führen. Holt er die CSU aus dem Tief und führt sie zur absoluten Mehrheit, dürfte er auch nach dem Parteivorsitz greifen.

Lange hatte sich Seehofer gesträubt, den Weg für den ehrgeizigen, machthungrigen Söder freizumachen. Seit Nürnberg ist klar: Der 50-jährige Franke ist der neue Leitwolf, der Blut geleckt hat. Der 68-jährige Seehofer bleibt zwar Parteichef – wird mit gerade noch akzeptablen 83,7 Prozent bestätigt und soll für die CSU bei den Sondierungen mit der SPD in Berlin die Kartoffeln aus dem Feuer holen. Seine Tage als hungriger Löwe, der das Rudel führt, sind aber gezählt.

Perfekt wurde die neue Harmonie nach dem jahrelangen, erbitterten Machtkampf auf dem Parteitag inszeniert. Die beiden hatten ausgeheckt, dass sie sich gegenseitig vorschlagen. Und so warb Seehofer, die Delegierten mögen „für meinen Freund Markus Söder“ stimmen. „Er kann es, er packt es!“ Einige in der Halle wollten ihren Ohren nicht trauen. Man möge es mit der Heuchelei nicht übertreiben, sagt eine Münchnerin.

Statt Freundschaft steckt nüchternes Kalkül hinter Seehofers Teilrückzug und der Doppellösung: Sollten die beiden Alphatiere weiter gegeneinander intrigieren, könnte die CSU ihr Ziel, im Herbst die absolute Mehrheit zu verteidigen, gleich vergessen und sich schon mal nach Koalitionspartnern umschauen.“. Um sein politisches Erbe nicht zu verspielen, war Seehofer nichts übrig geblieben, als Söder zu weichen. Und so liegt über Seehofers Rede schon ein Hauch von Abschied. Auch er bemühte das Wort der „neuen Ära“. Ja, es habe „Friktionen“ gegeben, der Schaden sei jedoch auf „den Effekt einer Knallerbse“ beschränkt geblieben, versucht er den zerstörerischen Streit zu bagatellisieren. Steif, ja hölzern spricht er zu den Delegierten, versucht, die Schuld für die Wahlschlappe am 24. September Kanzlerin Angela Merkel in die Schuhe zu schieben. Zum Abschluss gelingt es ihm doch noch, für Stimmung zu sorgen: „Wenn wir zusammenhalten, zieht uns niemand die Lederhosen aus“ – das kommt prächtig an. Markus Söder gelingt es, mit einer kraftstrotzenden One-Man-Show viele seiner Skeptiker mitzureißen. Für alle hat er etwas parat. Den Stammtisch bedient er mit Islamkritik („Der Islam hat die letzten 200 Jahre keine überragenden Beiträge für Bayern erbracht“). Mit Attacken gegen die AfD markiert er den Kämpfer, der sich um diejenigen kümmert, die sich abgehängt fühlen. Und er haucht der verunsicherten Parteiseele wieder Mut ein.

Seit Edmund Stoibers Tagen als CSU-Chef habe niemand die Partei so mitgerissen, räumen selbst Seehofer-Leute in Nürnberg ein. Der Franke als neuer Heilsbringer, eine mächtige Bürde liegt nun auf den Schultern des 50-Jährigen. Die Abrechnung folgt am 14. Oktober 2018, wenn die Bayern einen neuen Landtag wählen.

Kommentar von Benjamin Havermann: Doppelspitze auf Rechtskurs

Es waren ganz neue Töne, die von Horst Seehofer über Markus Söder zu hören waren. Vor nicht allzu langer Zeit sprach Seehofer noch von Schmutzeleien und charakterlichen Schwächen im Zusammenhang mit Söder. Aus Feinden sollen jetzt Freunde werden? Schwer zu glauben.
Mit Seehofer und Söder sind nun zwei Alphatiere an der Spitze, die sich nur ungern unterordnen. Dass daraus eine kohärente Politik wird, ist mehr als fraglich. Entscheidend wird sein, ob sie eine gemeinsame Linie in der Rückgewinnung von ehemaligen Wählern zustande bringen, die zur AfD abgewandert sind. Seehofer und Söder werden deshalb bemüht sein, einen stärkeren Rechtskurs zu fahren, der die offene rechte Flanke wieder zu schließen vermag.  Viel Zeit bleibt ihnen aber nicht. Bis zum Herbst müssen sie die Wähler überzeugt haben, sonst war es das schon wieder mit der Doppelspitze.


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