Politik : Die große Merkel-Show

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„Viva Angela!“ CDU-Bundesparteitag feiert die Kanzlerin – von Amtsmüdigkeit keine Spur

svz.de von
09. Dezember 2014, 19:52 Uhr

„Ich nehme die Wahl an“, sagt Angela Merkel, bedankt sich „für das überwältigende Vertrauen“ und 1000 Delegierte in der Kölner Messehalle antworten mit tosendem Applaus. Nach vier Stunden ist alles klar. Jubel, Beifall, stehende Ovationen. 96,72 Prozent – weniger als vor zwei Jahren zwar, aber dennoch ihr zweitbestes Ergebnis. Die Kanzlerin strahlt und kann sich vor Blumen kaum retten. Zum achten Mal Blumen, Küsschen und Glückwünsche auf dem Parteitag.

Die alte und neue CDU-Vorsitzende wirkt erleichtert und verspricht, auch in den Jahren 15 und 16 als Parteivorsitzende alles zu geben. Bravo-Rufe, lang anhaltender Applaus, die CDU-Basis feiert sich und ihre Chefin. Festtagsstimmung beim Kanzlerwahlverein, der Parteitag als Krönungsmesse. Aufnahme läuft, Ton ab für die Merkel-Show. „Viva Angela!“, ruft ein CDU-Spitzenmann.

Schwäche? Unwohlsein? Angela Merkel wischt gleich alle Spekulationen über ihre Gesundheit beiseite. 75 Minuten lang redet die CDU-Chefin Klartext, wirkt topfit und angriffslustig. Vergessen die Schrecksekunde vom Abend zuvor, als Merkel ein Interview hatte abbrechen müssen, weil es ihr nicht gut gegangen war.

„Wieviel kleiner will sich die SPD eigentlich noch machen?“, ruft die CDU-Chefin in die Reihen. Abrechnung mit dem Koalitionspartner. Nach einem Jahr Schwarz-Rot hängt der Haussegen schief. Droht jetzt auch Kalter Krieg in der Großen Koalition? Das Verhalten der SPD in Thüringen, wo sich die linke große Volkspartei in die Juniorrolle begeben habe, sei „eine Bankrotterklärung“. Das trifft den Nerv der Basis. Warmlaufen für den Lagerwahlkampf 2017. Wenn sich ausgerechnet im 25. Jahr des Mauerfalls die SPD in eine von der Linkspartei geführte Regierung begebe, sei dies „ein beklemmendes Zusammentreffen“, klagt die Frau aus dem Osten. Die Genossen hätten eine Grenze überschritten.

Merkel zieht Bilanz, blickt auf ihre 24 Jahre in der Partei, davon 14 als Vorsitzende zurück und auf neun Jahre als Kanzlerin. „Ich glaube, wir können glücklich sein über das, was wir erreicht haben“, sagt Merkel. „Die CDU tut Deutschland gut“, sagt sie und verweist auf die wirtschaftliche Lage und den Arbeitsmarkt, feiert Finanzminister Schäuble und die Schwarze Null im Haushalt. „Wir machen Schluss mit dem Leben auf Pump.“ Wir sind die Guten – so ihre Botschaft.

Wer auf ein klares Wort l über ihre Zukunft nach 2017 und die Frage gehofft hatte, ob sie noch einmal antritt, wird enttäuscht. Doch klingt ihre Rede nicht nach Amtsmüdigkeit und Abschied – im Gegenteil. „Nur unsere eigene Stärke, nur eine starke Union 2017 wird Rot-Rot-Grün im Bund unmöglich machen“, sagt Merkel. Es klingt, als schiele sie auf die absolute Mehrheit, als wolle sie bei der Bundestagswahl noch einmal, ein viertes Mal antreten.


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