Pflegereform : Die große Entlastung?

Pflegende Angehörige tragen eine große Last.
Pflegende Angehörige tragen eine große Last.

Die Pflegereform soll Bedürftigen und Angehörigen Erleichterung bringen – Hintergründe zu den Plänen von Gesundheitsminister Gröhe

svz.de von
21. September 2015, 21:00 Uhr

Wie will ich im Alter gepflegt werden? Für viele ist das eine drängende Frage, aber nur die wenigsten bereiten sich konkret auf ihre eigene Pflegebedürftigkeit vor. Das geht aus einer neuen AOK-Studie hervor. Die Politik verspricht nun Leistungsverbesserungen in der gesetzlichen Pflegeversicherung und die volle Einbeziehung Demenzkranker. Am Freitag berät der Bundestag erstmals über die Pläne von Gesundheitsminister Hermann Gröhe. Hoffnung für Millionen Demenzkranke? Hintergründe zu den Pflegeplänen der schwarz-roten Bundesregierung von Rasmus Buchsteiner.

bereiten sich Deutsche auf ihre Pflege-bedürftigkeit vor?
Fast drei Viertel der Älteren – in der Generation „50plus“ – hält die Frage nach der eigenen Versorgung im Pflegefall für „extrem wichtig“, so die neue AOK-Studie. Doch nur wenige stellen sich aktiv auf die eigene Pflegebedürftigkeit ein. Nur ein Viertel der Befragten hat sich schon einmal bei der Krankenkasse und einer Beratungsstelle über Pflege-Hilfen informiert. Zwei Drittel würden sich in einem Heim pflegen lassen, wenn sie dafür unabhängig bleiben könnten und niemanden überlasten.

Was wird aus den alten Pflegestufen?
Statt der bisherigen Stufen soll es künftig fünf Pflegegrade geben. Durch den Pflegegrad 1 werden künftig 500 000 Versicherte Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, die bisher keine Unterstützung bekommen haben.

Wie wird das System umgestellt?
Die Umstellung zu Jahresbeginn 2017 soll automatisch vollzogen werden. Niemand, der bisher Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten hat, wird künftig weniger erhalten. Für die Systemumstellung soll keine Neu-Begutachtung aller Pflegebedürftigen vorgenommen werden.
Pflegebedürftige mit körperlichen Beeinträchtigungen werden künftig einen Schritt heraufgesetzt. Wer im alten System Pflegestufe 2 hatte, wird künftig Pflegegrad 3 erhalten. Bei Pflegebedürftigen mit Demenzerkrankung geht es im neuen System zwei Schritte hinauf: Aus Pflegestufe 2 wird Pflegegrad 4.

Werden die Leistungen erhöht?
Bei den Geldleistungen für die ambulante Pflege sind 125 Euro monatlich bei Pflegegrad 1 vorgesehen. Den Höchstsatz von 901 Euro gibt es für Pflegegrad 5. Bei den (ambulanten) Sachleistungen sind es 689 Euro in Pflegegrad 2, ansteigend bis 1995 Euro in Pflegegrad 5. In der stationären Pflege sind 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 2005 Euro bei Pflegegrad 5 geplant.

Auf welche Hilfen können pflegende Angehörige setzen?
Für sie sollen künftig höhere Rentenbeiträge gezahlt werden. Darüber hinaus ist eine umfassende Absicherung in der Arbeitslosenversicherung für alle vorgesehen, die zur Pflege von Angehörigen den Job ganz aufgeben oder vorübergehend aussetzen. Die Pflegekassen werden zudem verpflichtet, spezielle Schulungen und Kurse für pflegende Angehörige anzubieten.

Müssen Pflegebedürftige und ihre Familien künftig auch mehr bezahlen?
Der pflegebedingte Eigenanteil der Versicherten, der bisher in Heimen im Schnitt zwischen 460 und 900 Euro liegt, soll nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums künftig durchschnittlich 580 Euro betragen – unabhängig vom Pflegegrad. Für viele sei dies eine Entlastung, so das Bundesgesundheitsministerium.

Wie wird die Reform finanziert?
Der Pflege-Beitragssatz soll 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent sowie auf 2,8 Prozent für Kinderlose steigen. Für die Pflegeversicherung bedeutet das Zusatzeinnahmen von 2,4 Milliarden Euro. Bereits zum 1. Januar
2015 war der Beitragssatz um 0,3 Prozentpunkte angehoben worden.

Der geplante Bestandsschutz im Zuge der Reform kostet nach Berechnungen des Gesundheitsministeriums rund vier Milliarden Euro und soll aus der Reserve der Pflegekasse finanziert werden.

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