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Steinmeier verlässt Bundestag : Die graue Effizienz

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Aus der Onlineredaktion

Steinmeiers Abschied Richtung Bellevue. Bundestag dankt Minister mit stehendem Applaus

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Noch einmal Paris. Wehmut kommt auf beim Bundesaußenminister. Abschied nehmen an der Seine. Dreißig Mal war er hier, um über die Krisen in Europa und der Welt zu beraten, um den Schulterschluss mit dem französischen Nachbarn zu suchen. Bald schon könnte er wieder da sein, in seiner neuen Rolle als deutsches Staatsoberhaupt zum Antrittsbesuch als Bundespräsident, sollte er am 12. Februar in der Bundesversammlung gewählt werden. Heute geht seine Zeit im Auswärtigen Amt zu Ende. In Schloss Bellevue nimmt der Präsidentschaftskandidat seine Entlassungsurkunde entgegen.

Gestern im Bundestag blickt Frank-Walter Steinmeier noch einmal zurück auf gut sieben Jahre als Deutschlands Chefdiplomat. Noch einmal erinnert er an seinen Satz von der Welt, die aus den Fugen geraten sei. Es ist eine leidenschaftliche Rede, ein Plädoyer für das ewige Ringen um Frieden und Verständigung. Standing ovations und jede Menge gute Wünsche im Plenum des Bundestags. Noch-SPD-Chef Sigmar Gabriel, sein Nachfolger im Auswärtigen Amt, überreicht rote Gerbera und ein Willy-Brandt-Porträt von Armin Müller-Stahl.

Ein rastloser Krisenmanager nimmt Abschied. Die Annexion der Krim, die Krise in der Ukraine, dazu die Kriege in Syrien und der Vormarsch der ISIS-Terroristen im Irak, die unsichere Lage in Afghanistan – die Welt und ihre Konflikte ließen ihm keine langen Atempausen zu.

2013 war er – nach vier Jahren als Oppositionsführer und Fraktionschef im Bundestag – wieder zurückgekehrt in seine geliebte Paraderolle als Bundesaußenminister: Chefdiplomat, Weltenretter und Vermittler.

In der Liste Deutschlands beliebtester Politiker liegt der Mann mit dem silberweißen Haar seit Jahren auf den vorderen Plätzen. Gerade erst ist er 61 Jahre alt geworden, bereitet sich jetzt auf seine neue Aufgabe vor, den Höhepunkt seiner politischen Laufbahn. Vom Medienreferenten und Büroleiter von Gerhard Schröder in der niedersächsischen Staatskanzlei zum Staatsoberhaupt – eine steile Bilderbuchkarriere. „Die graue Effizienz“ wurde zu seinem Spitznamen.

„Es ist eine große Ehre, in diesen stürmischen Zeiten für das höchste Staatsamt vorgeschlagen zu werden“, sagte Steinmeier im November bei seiner Vorstellung als Kandidat.
 
 

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