Spekulation über Zukunft : Die ewige Merkel

Seit zwölf Jahren im Amt: Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
Seit zwölf Jahren im Amt: Kanzlerin Angela Merkel (CDU)

Die Kanzlerin und die Spekulationen über ihre Zukunft

von
22. September 2017, 08:00 Uhr

„Einmal durch die Rocky Mountains und einmal durch Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn“, davon träume sie, verriet Angela Merkel am vergangenen Sonntag, als sie in einer Pressekonferenz Kindern Rede und Antwort stand. Reisepläne der Kanzlerin für den Ruhestand, für die Zeit danach? Plant Merkel bereits ihren Abschied aus der Politik? Zuletzt hatte die Regierungschefin in Interviews mehrfach klargestellt, dass sie, sollte sie wieder gewählt werden, volle vier Jahre im Amt bleiben wolle. Dies gelte sowohl für das Kanzleramt als auch für den CDU-Vorsitz, versichert sie, allerdings nur sofern die Gesundheit es auch zulasse.

Seit zwölf Jahren regiert die CDU-Chefin nunmehr, allein Helmut Kohl (16 Jahre) und Konrad Adenauer (14 Jahre) waren länger im Amt. Glaubt man den jüngsten Meinungsumfragen, hat sie gute Chancen, nach der Bundestagswahl wiedergewählt zu werden.

Merkel – die ewige Kanzlerin? In der Union wird hinter den Kulissen längst über die Zeit danach gesprochen, über mögliche Rückzugsstrategien und Ausstiegsszenarien. Merkel selbst hatte immer wieder versichert, dass sie – anders als jeder ihrer Vorgänger – „selbstbestimmt“ über ihren Abschied von der Macht und der Politik entscheiden, nicht als „Wrack“ enden und nicht von den eigenen Parteifreunden oder den Wählerinnen und Wählern aus dem Amt gejagt werden wolle.

Bereits vor der letzten Bundestagswahl hatte es Spekulationen gegeben, Merkel werde sich vorzeitig zurückziehen. Es kam anders. „Der Rückblick zeigt, was man von solchen Spekulationen halten kann, und dass Sie lieber mir glauben als anderen, wenn es um mein Leben geht“, empfahl sie kürzlich erst vor der Bundespressekonferenz.

Sollte das Ergebnis der Union am Sonntag unter 35 Prozent liegen und die AfD auf ein zweistelliges Ergebnis kommen, könnte es – Wahlerfolg hin oder her – für die Kanzlerin in den kommenden Wochen ungemütlich werden. Schließlich steht die CSU in Bayern vor einer Landtagswahl, will ihre absolute Mehrheit verteidigen und dürfte ihre Forderung nach einer Obergrenze für Asylbewerber und einen härteren Kurs in der Flüchtlingspolitik bereits in möglichen Koalitionsverhandlungen wieder auf die Tagesordnung setzen. Auch wird von der Kanzlerin eine personelle Erneuerung in der Regierung und der CDU-Spitze nicht zuletzt mit Blick auf eine mögliche Nachfolge erwartet.

Einen vorzeitigen Stabwechsel, etwa Mitte der Wahlperiode, könnte Merkel nur mit gesundheitlichen Problemen begründen. Parteifreunde halten es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass die CDU-Chefin auch 2021 noch einmal antritt. Von einem TV-Moderator nach solchen Ambitionen gefragt, antwortete die Kanzlerin jetzt: „Das weiß man nicht.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen